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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Olympia: Ein bisschen Frieden

31.01.2018

Bonn „Olympisches Hände halten“ ist die wörtliche Übersetzung des griechischen Ekecheiria – des Olympischen Friedens. Die Idee ist Jahrtausende alt, doch wenn vom 9. bis zum 25. Februar die Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang stattfinden, scheint sie aktueller denn je.

Denn kaum 100 Kilometer von Pyeongchang entfernt geht ein Riss durch Korea. Seit Ende des drei Jahre dauernden Bruderkrieges 1953 bildet der 38. Breitengrad die Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht. Ob die antike Friedensidee das angespannte Verhältnis verbessern kann?

 Die Antike

Die drei Könige der griechischen Regionen Elis, Pisa und Sparta schlossen 884 v. Chr. ein Abkommen, das allen Athleten, Betreuern und auch dem Publikum eine sichere Reise zu den Spielen garantieren sollte. Diese Vereinbarung trat rund zwei Monate vor den Wettkämpfen in Kraft und galt während und zwei Monate nach Ende der Spiele.

Wer sich nicht daran hielt, wurde bestraft – egal welchen Ranges. So musste Alexander der Große eine Strafe zahlen, weil zwei seiner Soldaten einen anreisenden Olympioniken ausraubten. Kriege hingegen waren nicht von der Übereinkunft betroffen.

Nach knapp 1300 Jahren war dann aber Schluss mit der gesamten Olympischen Idee: 394 verbot der römische Kaiser Theodosius I. die „Festspiele zu Ehren der Götter“. Er erhob das Christentum zur Staatsreligion und untersagte alle heidnischen Zeremonien.

 Die Neuzeit

Genau eineinhalb Jahrtausende später sollten die Spiele wieder aufleben. Der Franzose Pierre de Coubertin gründete 1894 das Internationale Olympische Komitee (IOC). Sein Ansinnen war es, dass die „Jugend der Welt“ sich bei den Wettkämpfen und nicht auf dem Schlachtfeld messen sollte. Den Friedensgedanken bezog Coubertin ausdrücklich mit ein. „Für jedes ausschließlich nationale Empfinden muss dabei ,Burgfrieden‘ herrschen, oder, um es anders auszudrücken, jedes Nur-National-Empfinden muss dabei vorübergehend auf Urlaub geschickt werden.“ Das widersprach aber dem vorherrschenden Nationalismus seiner Zeit.

1896 wurden in Athen die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit ausgerichtet. Von internationalen Spannungen blieben die Wettkämpfe nicht verschont. Die Sommerspiele 1916 entfielen wegen des Ersten Weltkriegs, Deutschland wurde bei den nächsten beiden Austragungen ausgeschlossen. Die Nationalsozialisten nutzen die Spiele 1936 in Berlin und Garmisch-Partenkirchen als Propagandaforum. Der Zweite Weltkrieg verhinderte die Sommer- und Winterspiele von 1940 in Tokio und 1944 in Helsinki.

 Die Nachkriegszeit

1948 war Deutschland ausgeschlossen. Aus Protest gegen die Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstandes durch die Sowjetunion boykottierten die Niederlande, Spanien und die Schweiz die Wettkämpfe 1956 in Melbourne. Zum tragischsten Ereignis der Olympia-Geschichte gehört der Anschlag der palästinensischen Terrorgruppe „Schwarzer September“ auf die israelische Mannschaft in München 1972. Es starben elf Israelis, fünf Täter und ein Polizist.

 das Boykott-Jahrzehnt

Die USA und andere westliche Länder nahmen wegen des Einmarschs sowjetischer Truppen in Afghanistan nicht an den Spielen in Moskau 1980 teil. 1984 folgte die Retourkutsche: Mehrere Ostblockländer boykottierten die Spiele in Los Angeles.

Aber es gab auch positive Beispiel: Jugoslawien war wegen des Balkankriegs mit UN-Sanktionen belegt. Dennoch setzte das IOC durch, dass jugoslawische Sportler 1992 in Barcelona unter der olympischen Flagge gemeinsam teilnehmen durften.

 Und Heute?

Das IOC schuf im Jahr 2000 die Internationale Stiftung für den Olympischen Frieden (IOTF), die mithelfen soll, diplomatische und gewaltlose Wege der Konfliktbeilegung zu finden und den Gedanken, dass Sport und Frieden ein „erfolgreiches Gespann“ sind, zu verbreiten.

Aus der Diskussion speiste sich 1998 ein Vorstoß des IOC bei der UN, der die antike Friedensvertrag-Tradition wieder aufleben lassen soll: Seither entwirft das jeweilige Gastgeberland eine Resolution, die dazu aufruft, keine Kriege und Kampfhandlungen sieben Tage vor Olympia und sieben Tage nach den folgenden Paralympics zu führen und sich gegen Gewalt einzusetzen.

Im November 2017 trug nach zweistündiger Debatte bei der Generalversammlung neben Ausrichter Süd- auch Nordkorea diesen „Olympic Truce“ mit. In der Erklärung heißt es unter anderem, dass den Teilnehmern eine sichere Reise zu den Olympischen und Paralympischen Winterspielen in Pyeongchang 2018 gewährt werden soll.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation auf der koreanischen Halbinsel sei diese Passage von besonderer Bedeutung, hieß es in einer Mitteilung des IOC. Als positives Zeichen werten Beobachter zudem den Plan, ein gemeinsames Frauen-Eishockeyteam von Süd- und Nordkorea aufzustellen. Außerdem sollen die Sportler der beiden verfeindeten Staaten wie bereits bei den Spielen von Sydney 2000, Athen 2004 und Turin 2006 bei der Eröffnungsfeier unter einer gesamtkoreanischen Flagge einlaufen.

Der aktuelle Präsident der UN-Vollverammlung, Miroslav Lajcak, warnt vor zu großen Hoffnungen in den Olympischen Frieden. Sport alleine könne keine Konflikte beenden. „Aber ich glaube, dass ein Fußball oder ein Eishockey-Puck ein besseres Werkzeug zur Friedenserhaltung ist als eine Waffe.“

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