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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Zeitumstellung: Schon oft hat die Regierung an der Uhr gedreht

26.10.2019

Bonn Millionen von Armbandanzeigen, Bahnhofs- und Kirchturmuhren müssen sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag umstellen, und die Menschen dazu. Dann ticken Deutschland und fast alle europäischen Länder wieder nach der Winterzeit. Dabei erhalten die Menschen eine Stunde Schlaf geschenkt – oder die Stunde zurückerstattet, die ihnen Ende März gestohlen wurde.

Dass die Uhren den Lebensrhythmus bestimmen und Tag und Nacht, Arbeitszeit und Freizeit definieren, ist historisch ziemlich neu. Bis weit ins 19. Jahrhundert richteten sich Bauern, Arbeiter und Handwerker bei ihrer Zeiteinteilung nach Sonnenstand, Klima, Wachstumsperioden der Natur oder nach der anfallenden Arbeit: Sie verrichteten ihr „Tagwerk“ oder bestellten ihren „Morgen“ Land.

Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte jeder Ort seine eigene Zeit, die sich am Stand der Sonne orientierte. Uhren an Kirchtürmen und kommunalen Glockentürmen gaben den Zeitrhythmus für die unmittelbare Umgebung vor. Die Hauptstädte der deutschen Staaten beanspruchten, den Takt für ihr Herrschaftsgebiet vorzugeben: In Bayern richtete man sich nach der „Münchener Ortszeit“, in Preußen seit 1848 nach der „Berliner Zeit“. Aber mit dem Ausbau des europaweiten Eisenbahnnetzes wurde eine einheitliche Zeit wichtig.

Eine globale Vereinheitlichung der Zeit wurde erstmals 1884 angestrebt, als in Washington die Einteilung der Welt in 24 Zeitzonen beschlossen wurde. Für das Deutsche Reich trat am 1. April 1893 ein von Kaiser Wilhelm II. unterzeichnetes Gesetz in Kraft, mit dem die „mittlere Sonnenzeit des fünfzehnten Längengrades östlich von Greenwich“ im gesamten Reich zur einzig gültigen Uhrzeit bestimmt wurde – heute ist sie als Mitteleuropäische Zeit bekannt.

Der Krieg allerdings erwies sich dann auch als Vater einer veränderten Zeitrechnung. Ab 1916 führte das Kaiserreich eine Sommerzeit ein, um das Tageslicht in Landwirtschaft und Rüstungsindustrie besser nutzen zu können. Drei Jahre lang stellte Deutschland die Uhren von Ende März bis Ende September eine Stunde vor. 1919, zu Beginn der Weimarer Republik, wurde diese Kriegsmaßnahme wieder rückgängig gemacht. Auch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Sommerzeit 1940 eingeführt. Eine Stunde mehr Helligkeit bedeutete mehr Arbeitszeit in der damaligen Rüstungsindustrie.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs führte dann zu einem kleinen Zeitchaos. Dort hatte man die Uhren bereits auf Sommerzeit umgestellt. In der sowjetischen Besatzungszone wurden am 24. Mai die Uhren noch eine weitere Stunde vorgedreht – das entsprach der Moskauer Zeit.

Und es wurde noch komplizierter: 1947 wurde überall im geteilten Land mit dem doppelten Zeitsprung experimentiert: Im April begann die gewöhnliche Mitteleuropäische Sommerzeit, im Mai sprang man eine weitere Stunde auf die Mitteleuropäische Hochsommerzeit, im Juni und Oktober dann jeweils wieder eine Stunde zurück.

Schließlich veränderten die Ölkrise und der Druck des europäischen Auslands erneut den Takt: Dahinter stand die Überzeugung, durch eine bessere Nutzung des Tageslichts Energie sparen zu können. Am 6. April 1980 wurde in beiden deutschen Staaten erneut die Sommerzeit eingeführt.

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