BREMEN - Die großen ökologischen Zukunfts- und Überlebensfragen stehen auf der Tagesordnung, wenn die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vom 2. bis 5. November in Bremen zusammenkommt. „Klimawandel – Wasserwandel – Lebenswandel“ beschäftigt als Schwerpunktthema die 120 Mitglieder des Kirchenparlaments, das sich zu seiner letzten Tagung in der laufenden Legislaturperiode versammelt.
Der alarmierende Klimawandel hat aus Sicht der Kirche in zentraler Weise mit Gerechtigkeit und mit der Verantwortung für die Schöpfung zu tun. Umweltthemen sind keine neue Entdeckung der evangelischen Kirche. Der Einsatz für die Schöpfung gehörte mit Frieden und Gerechtigkeit zu den Triebfedern des weltweiten Konziliaren Prozesses aus den 80er Jahren.
Der Berliner Bischof Wolfgang Huber hat im Vorfeld der Synode davor gewarnt, die Anstrengungen zum Klimaschutz wegen der Finanzmarktkrise zu vernachlässigen. „Die ökonomische Krise darf unsere Verantwortung für die Lebensbedingungen künftiger Generationen nicht außer Kraft setzen“, forderte Huber, der Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland ist.
Von den Folgen der weltweiten Erderwärmung sind Huber zufolge die Länder der Dritten Welt wesentlich stärker betroffen als die Industrieländer. „Wir können nicht zulassen, dass der Klimawandel zur Verschärfung der Gegensätze zwischen Nord und Süd führt.“ Am Schlüsselthema Klima müsse sich zeigen, was gerechte und nachhaltige Entwicklung bedeute. Auch Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann forderte ein stärkeres Engagement der reichen Industrienationen. „Unsere Entwicklungswerke weisen seit Jahren darauf hin, dass gerade die ärmsten Länder, die den Klimawandel am wenigsten verschulden, die schlimmsten Folgen zu tragen haben“, sagte Käßmann am Donnerstag
Der EKD-Ratsvorsitzende verwies außerdem darauf, dass die Kirchen selbst durch konkretes Handeln zum Klimaschutz beitragen können – wie etwa beim Gebäudemanagement. Eine umweltbewusste Anpassung kirchlicher Bauten sei langfristig der wirtschaftlichere Weg. Die dazu nötigen Investitionen kämen auf lange Sicht auch der Gebäudesubstanz zugute.
Die aktuelle Finanzmarktkrise dürfte in der Synode ebenfalls zur Sprache kommen. Bischof Wolfgang Huber hat zu den globalen Verwerfungen und deren Folgen bereits klar Position bezogen. Das „globale Desaster“ sei die Folge von Gier und eines „Lebens auf Pump“, urteilt der oberste Repräsentant der mehr als 25 Millionen evangelischen Christen.
Das Dauerthema kirchlicher Reformen wird einen weiteren Teil der Debatten bestimmen. Vor einem Jahr in Dresden mischte sich die Synode in den ehrgeizig angelegten Reformprozess ein. Schärfung der theologischen Kompetenz und geistlichen Qualität kirchlichen Handelns, mehr Vielfalt bei den Angeboten der Kirchengemeinden wünscht das Kirchenparlament. Die Vielfalt gemeindlicher Angebotsformen soll erweitert werden, die religiöse Bildung in allen Lebensphasen gestärkt werden.
Viel personelle Änderungen, die eher einen Generationenwechsel markieren als eine kirchenpolitische Neuausrichtung, gibt es bei den Leitenden Geistlichen in den Landeskirchen. Neue Bischöfe wurden in Mecklenburg, Nordelbien und Oldenburg installiert. Vollzogen ist bereits der Wechsel des evangelischen Militärbischofs. Im Oktober 2009 hat die neue EKD-Synode die schwierige Aufgabe, den nächsten Ratsvorsitzenden zu wählen.
