Bremen/Greven - Die Insolvenz der Fluggesellschaft Germania trifft auch den Flughafen in Bremen. Germania sei ein starker und langer Partner gewesen, man habe bis zum Schluss darauf gehofft, ihn erhalten zu können, sagte die Flughafensprecherin Andrea Hartmann auf Nachfrage dieser Zeitung. „Die Insolvenz der Germania bedauern wir sehr.“
Dabei war der Flughafen bereits am Dienstag direkt betroffen: Vier Flüge, jeweils von und nach Funchal und Antalya, fielen aus. Trotzdem sei die Lage im Terminal am Morgen entspannt gewesen, so die Sprecherin. Unter den Passagieren habe eine Traurigkeit bezüglich der Germania geherrscht. Verärgerte Fluggäste habe es nach ihren Informationen nicht gegeben. „Wir empfehlen den betroffenen Fluggästen, sich mit ihren Reiseveranstaltern in Verbindung zu setzen“, sagte Hartmann. Die Schalter seien am Dienstag noch geöffnet gewesen – auch, um Passagiere zu informieren.
Laut Winterflugplan bot die Germania zehn Ziele ab Bremen an, im kommenden Sommer habe Germania 23 Ziele von der Hansestadt aus anfliegen wollen, so Hartmann. Rund 14 Prozent der Passagiere, die im vergangenen Jahr von und nach Bremen befördert wurden, seien mit Germania geflogen.
Von Bremen aus bot die Airline viele Flüge nach Griechenland und auf die Kanarischen Inseln an. Es würden nun Gespräche mit Fluggesellschaften geführt werden, in denen über eine Weiterführung der Routen ab Bremen gesprochen werde, kündigte Hartmann an.
Auswirkungen der Insolvenz bekommt auch der Airport Münster/Osnabrück (FMO) zu spüren, wo die geplante Verbindung von und nach Arrecife auf Lanzarote annulliert wurde. Wie das Unternehmen mitteilte, beförderte Germania 2018 insgesamt 269 000 Fluggäste am Flughafen Münster/Osnabrück. Das entspreche einem Marktanteil von rund einem Viertel des dortigen Gesamtaufkommens.
Der Geschäftsführer des Flughafens Münster/Osnabrück, Rainer Schwarz, äußerte sich in einer Mitteilung verwundert, dass Germania noch am 19. Januar die Lösung der Finanzfragen bekanntgegeben habe und nur zwei Wochen später eine Insolvenz verkünde.
Eine der betroffenen Passagiere ist Christina Eckhoff. Gemeinsam mit ihrem Freund Simon hatte sich die 23-Jährige Wilhelmshavenerin Kreta als Reiseziel gesetzt. „Wir planen lieber alleine und keine Pauschalreise, um viel zu sehen und flexibel zu sein“, sagt sie. „Am Montagabend um 22 Uhr haben wir uns entschieden, Flüge ab Bremen zu buchen für den 22. bis 29. Mai.“ Zwar habe sie mitbekommen, dass es der Fluggesellschaft nicht gut gehe, habe sich darüber jedoch keine Gedanken mehr gemacht. 560 Euro überwies das Paar insgesamt für Hin- und Rückflüge. „Wir waren froh, dass der Urlaub quasi in trockenen Tüchern war“, sagt Eckhoff.
Der Schock folgt am Dienstagmorgen: „Eine Kollegin hat mir von der Insolvenz erzählt – sie hatte bereits vor langer Zeit gebucht“, sagt die 23-Jährige. Das Problem: „Wir haben über l’tur gebucht und das zählt, als wenn wir direkt bei Germania gebucht hätten. Wir haben also keine Ansprüche.“
Dennoch: „Ich hoffe gar nicht auf eine Antwort von Germania, aber ich habe noch die Hoffnung, dass der Geldtransfer noch zu stoppen ist. Meine Kreditgesellschaft weiß Bescheid, kann aber keine Garantie geben“, sagt Eckhoff. Außerdem hoffe sie, dass das Geld nicht in die Insolvenzmasse fließe, da es erst nach der Insolvenzanmeldung überwiesen wurde. „Die Urlaubsstimmung war erst mal kurz hinüber, aber wir gucken uns jetzt Alternativtermine an.“
