BREMEN - Die Ankündigung, sich selbst ein Vergnügen zu gönnen und Loriot zu seinem 85. Geburtstag würdigen zu wollen, löst fast immer dieselbe Reaktion beim jeweiligen Gesprächspartner aus: ein seliges Lächeln ob der einst genossenen Wonnen vor dem Fernsehapparat oder im Kino.

Erinnerungen werden wach an Frau Hoppenstedt oder Herrn Müller-Lüdenscheidt, an die deplatzierte Nudel oder die gefräßge Steinlaus, an Jodelkurse oder Benimmschule, an Kalbshaxe Florida oder Kosakenzipfel. . . Unterbinden lässt sich eine derartige Schwelgerei vom Gesprächspartner nur ganz gezielt und am besten von vornherein – mit einem staubtrockenen „Ach was!“ als Antwort.

Wie kaum einem anderen Humoristen ist es Loriot gelungen, sich mit Wortfetzen aus seinen Sketchen in den allgemeinen Wortschatz zu mogeln. Nicht nur mit jenem berühmten „Ach was!“, das fast immer passt und jedes Gespräch ad absurdum führt, auch mit dem entschiedenen „Mooooment“, dem betonten „Eben n i c ht“ oder dem flehentlichen „Bitte sagen Sie jetzt nichts“ aus dem legendären Nudel-Sketch.

Es gibt nicht wenige Zeitgenossen, die auf Anhieb und ohne Zögern ganze Dialoge herunterrasseln können. Was womöglich genau „der kleine Schritt daneben“ ist, der Loriot stets am meisten interessierte, um deutlich zu machen, „wie grotesk es eigentlich ist, was wir täglich erleben“.

Vicco von Bülow, alias Loriot, am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren, ist ein Künstler im weitesten Sinne des Wortes, der vielen auch heute noch als größter Humorist unserer Tage gilt. Er ist alles zugleich und alles gleich gut: Karikaturist, Autor, Schauspieler, Regisseur, Bühnenbildner, Professor für Theaterkunst und vor allem ein Mensch, für den das Wort „feinsinnig“ erfunden worden sein muss. Unter die Gürtellinie hat sich bei Loriot noch nie ein Witz getraut. Auch kommt sein Humor ohne Fäkalsprache, Zoten oder Schimpfworte aus – ausgenommen vielleicht jene gezischte „Jodelschnepfe“.

Einer Familientradition folgend – er entstammt einem alten mecklenburgischen Adelsgeschlecht und ist der Sohn eines Polizeimajors – schlug Vicco von Bülow nach der Schulzeit die Offizierslaufbahn ein, kämpfte im Zweiten Weltkrieg und arbeitete nach der Kapitulation zunächst als Holzfäller in Niedersachsen. Sein Vater empfahl ihm schließlich ein Studium an der Kunstakademie Hamburg.

Als studierter Werbegrafiker erfand er sein berühmtes Knollennasen-Männchen, das ihn während seiner gesamten Karriere begleiten sollte, und arbeitete als Cartoonist unter dem Künstlernamen Loriot für verschiedene Zeitschriften. Danach versuchte er sich als Schauspieler in winzigen Filmrollen und wechselte schließlich 1967 das Medium: Loriot moderierte die Fernsehsendung „Cartoon“ für die ARD.

Weitere Stationen sind entweder mit TV-Sendungen oder TV-Sendern verbunden. Für die Aktion Sorgenkind in der ZDF-Quizshow „Drei mal neun“ etwa schuf er den Zeichentrick-Hund Wum, für Radio Bremen entstand von 1976 an die Fernsehserie „Loriot“, in der er sowohl gezeichnete als auch gespielte Sketche präsentierte. Die Folgen sind heute Klassiker des Humors und komplett auf DVD erhältlich.

Seine Berufsehe mit Evelyn Hamann, die bereits bei Radio Bremen ihren Anfang nahm, setzte Loriot in zwei Kinofilmen fort: 1988 in „Ödipussi“ und 1991 in „Pappa ante Portas“. Für seine Filme gilt dasselbe Prinzip wie für seine Sketche: Die gestörte, zerbröselte Kommunikation ist für Loriot stets die Quelle jeder Komik gewesen. Was auch erklärt, weshalb in keiner einzigen Szene gelacht wird, es sei denn an der falschen Stelle.

Lachen sollen nur die Zuschauer. „Ach was!“