BREMEN/JEVER/BERLIN - BREMEN/JEVER/BERLIN - Abenteuerliche Mischungen mit Cassis, Taurin, Guarana-Extrakt oder Granatapfelgeschmack sind bei Biermixgetränken längst nichts Ungewöhnliches mehr. Selbst vor Wodka, Tequila und Sekt machen die Brauer nicht mehr Halt. Was früher als Radler, Russ’n, Diesel oder Krefelder am Tisch serviert wurde, steht heute mit abgewandelter Rezeptur als „Bibop“, „Cab“, „Black Rider“ oder „Whizz“ im Regal.

Mehr als 1000 verschiedene Biermixe sind nach Schätzungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) auf dem Markt. „Das Radler ist als sehr traditionelles Getränk immer noch am stärksten vertreten“, sagt Birte Kleppien, Sprecherin des Deutschen Brauer-Bundes. Die Zielgruppe teile sich auf in „diejenigen, die weniger Alkohol trinken möchten, diejenigen, die es nicht so herb mögen und die 18- bis 25-Jährigen, die gerne mal etwas Neues probieren wollen“.

260 Millionen Liter an Alsterwasser & Co. flossen nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes 2004 hier zu Lande durch die Kehlen – ein Minus von 6,3 Prozent. Vor drei Jahren hatte der Absatz mit einer Zuwachsrate von fast 30 Prozent den Spitzenwert von knapp 300 Millionen Litern erreicht.

„Dennoch ist der Trend zum Biermischgetränk ungebrochen“, sagt Horst Zocher von der GfK. Grund für den Absatzrückgang in 2003 und 2004 sei die Einführung des Dosenpfands gewesen. „Die Dose hat im Biermischmarkt eine entscheidende Rolle gespielt. Durch das Zwangspfand ist der Markt eingebrochen, wächst im Mehrwegbereich aber weiterhin“, so Zocher. Der Haushaltskonsum nahm im Vorjahr laut GfK um 8,3 Prozent zu.

Trotz der großen Vielfalt sehen die Marktforschungs-, Geschmacks- und Marketing-Strategen der Brauereien gute Chancen für neue Produkte. So auch bei Beck & Co. in Bremen.

Ab Mai wird das Traditionsunternehmen erstmals ein Biermischgetränk auf den Markt bringen: Beck’s Green Lemon. „An diesem wachsenden Markt wollen wir teilhaben“, begründet Beck‘s-Sprecher Michael Hoffmann die Neueinführung. Die Entscheidung sei auf einen Mix mit Limone gefallen, weil diese „einen erfrischenden Geschmack habe, der gut zu Bier passe“, so Hoffmann. Bereits mit der milden Biervariante „Beck’s Gold“ konnte sich das Unternehmen erfolgreich auf dem Markt positionieren. Entgegen rückläufiger Tendenzen auf dem Biermarkt erreichte die Bremer Traditionsbrauerei 2004 insgesamt ein Absatzplus von 11,2 Prozent. „Beck’s Gold hatte einen wesentlichen Anteil daran“, sagt Hoffmann.

Auf den Zug mit den Biermischgetränken ist vor rund einem Jahr auch die Jever-Brauerei mit „Jever Lime“ aufgesprungen. „Obwohl es ein Biermischgetränk ist, schmeckt es friesisch-herb“, grenzt Jever-Sprecherin Ira Beckmann den Neuling von traditionellen Mix-Getränken wie Radler oder Alsterwasser ab. Durch das herbe Limetten-Aroma sei es gelungen, den Bier-Mix dem Charakter der Marke anzupassen. „Die Basis soll weiter ,erschmeckbar‘ sein“, weiß auch Kleppien. Rund ein halbes Jahr dauerte es, bis die Brauer und Mälzer in Jever von ihrer Geschmackskreation sagen konnten: „Das ist es!“

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