Brüssel - Wenn Kunden beim Einkaufen zu „bio“ greifen, zählt Vertrauen. Nach immer neuen Betrugsfällen in der Biobranche will die EU-Kommission die gesetzlichen Vorgaben nun reformieren.

Warum soll es neue EU-Bio-Regeln geben?

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Weil „bio“ boomt und auch schwarze Schafe anlockt. Der Europäische Rechnungshof hat 2012 die Kontrollen im Ökolandbau kritisiert und bemängelt, dass bei Verarbeitung und Vertrieb gemauschelt werde. „Es hat Fälle von Betrug mit Hunderttausenden Tonnen (Lebensmitteln) gegeben“, sagt EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos.

Was genau schlägt die EU-Kommission vor?

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Brüssel will die Zahl der Ausnahmen reduzieren. Die EU-Kommission plant zudem, die Grenzwerte für Verunreinigungen zu senken. Diese dürften in Ökoprodukten künftig nicht mehr höher sein als in Säuglingsnahrung. Zudem sollen alle Bioprodukte strengerer Kontrolle unterliegen – vom Anbau bis zum Vertrieb.

Was sagen deutsche Produzenten dazu?

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Die Ökobranche warnt vor zu strengen Auflagen. Vorgaben wie „100 Prozent“ bio im Endprodukt seien unrealistisch, meint der Öko-Beauftragte des Bauernverbands, Heinrich Graf von Bassewitz. So könne etwa Dioxin aus dem Verkehr über die Luft ins Gras kommen, das Tiere fressen. Das gleiche gilt für Spuren von Pestiziden, die von konventionell bewirtschafteten Nachbarfeldern herüber wehen. Martin Häusling von den Grünen im EU-Parlament fordert, nicht der Biobauer, sondern der Verursacher solle für Schaden aufkommen.

Werden die Bio-Produkte

voraussichtlich teurer

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Kritiker und EU-Kommission sind sich nicht einig. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren fürchtet, die Pläne könnten den Ökoanbau zugunsten konventioneller Produktion zurückdrängen. Der Verband Bioland schreibt: „Die Folge: Bio-Produkte werden knapp und teurer.“ Dem widerspricht EU-Agrarkommissar Ciolos. Er erwarte nicht, dass die Kosten – etwa für Kontrollen – steigen würden. Da die Nachfrage nach Bioprodukten nach wie vor zunehme, dürften auch die Preise ausgewogen bleiben.

Wie wichtig ist der

Bio-Markt inzwischen

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Die Nachfrage wächst stärker als die Flächen. Laut EU-Kommission vervierfachte sich der Markt für Öko-Erzeugnisse in den vergangenen zehn Jahren, die landwirtschaftlichen Flächen verdoppelten sich nur. In Deutschland vergrößerte sich der Anteil der biologisch bewirtschafteten Felder 2012 noch um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent der gesamten Ackerfläche. In den Geschäften legte der bundesweite Umsatz mit Bio-Lebensmitteln dagegen 2013 um 7,2 Prozent auf mehr als 7,5 Milliarden Euro zu – auch wegen höherer Preise.

Wie geht es nun mit

den EU-Plänen weiter

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Sie werden nur dann Gesetz, wenn das Europaparlament und die EU-Staaten zustimmen. Aus dem Parlament gibt es aber bereits Kritik. Die angedachte Reform dürfte sich bis weit ins nächste Jahr hineinziehen.