Berlin - Seit diesem Freitag öffnet eine der ältesten deutschen Industriemessen ihre Tore für die Öffentlichkeit: die Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin (bis 11. September). Was 1924 als reine Funkmesse begann, ist heute einer der größten Branchentreffs der Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik. Was in Berlin vorgestellt wird, gibt traditionell die Trends der Unterhaltungselektronik vor – vom ersten Radioempfänger über CD-Player bis zu neuesten hochauflösenden Fernsehgeräten. In diesem Jahr sorgt vor allem Samsung für Furore: mit einem Computer für das Handgelenk.
Intelligente Uhr
Samsungs Smartwatch Galaxy Gear ist auf der IFA erstmals für die Öffentlichkeit zu sehen. Herzstück ist ein 1,6 Zoll großer Touchscreen. Darauf können Nutzer unter anderem eingehende E-Mails, SMS und Anrufe direkt am Handgelenk lesen, ohne das Handy aus der Tasche holen zu müssen. Weil die Gear ein Mikrofon an der unteren Seite des Armbands hat, lässt sich damit sogar telefonieren – Nutzer müssen die Hand mit der Uhr nur ans Ohr heben.
In dem Armband steckt außerdem eine Kamera für Schnappschüsse und kurze Videos. Die Uhr hört auch auf Sprachkommandos, Nutzer können damit zum Beispiel Kalendereinträge anlegen oder die Uhr nach dem Wetter fragen. Energie für all diese Aktivitäten liefert ein Akku, der genug Strom für 25 Stunden Dauerbetrieb liefern soll.
In den Handel soll die Uhr noch in diesem September kommen, teilte der Hersteller mit. Angaben zum Preis wollte Samsung noch nicht machen. Die Gear lässt sich zum Verkaufsstart nur mit dem neuen Phablet Galaxy Note 3, einer Mischung aus Smartphone und Tablet, und dem Tablet Note 10.1 verbinden. Eine Unterstützung für die Smartphones Galaxy S3, S4 und Note 2 soll bis Ende des Jahres per Update nachgereicht werden.
Gebogener Bildschirm
Ein Kernthema der IFA sind seit jeher Fernsehgeräte. Dort wo 1967 der damalige Vizekanzler und spätere Bundeskanzler Willy Brandt das Farbfernsehen in Deutschland startete, stehen in diesem Jahr mit dem Internet vernetzte Geräte und Fernseher mit Ultra-HD-Auflösung im Mittelpunkt. Bereits seit Ende August auf dem Markt, aber immer noch einer der Höhepunkte der diesjährigen IFA ist der EA9809 von LG – der erste gebogenen OLED Fernseher in Deutschland.
Der leicht nach innen gewölbte Bildschirm mit einer Diagonale von 55 Zoll (140 Zentimeter) soll für ein besonders plastisches Bild sorgen. Optische Verzerrungen an den Rändern gehören laut Hersteller der Vergangenheit an. Der derzeitige Preis liegt bei rund 9000 Euro.
Ähnlich wie LG produziert auch Samsung Fernseher mit leicht gebogener Bildfläche. „Die Zukunft ist nicht flach“, sagte Samsung-Manager Michael Zöller in ironischer Anspielung auf die modernen Flachbildfernseher.
Das Unternehmen hat am Donnerstag seinen ersten Flachbildfernseher mit Ultra-HD-Auflösung auf einem OLED-Display in Berlin präsentiert. Die Modelle mit 55 und 65 Zoll Diagonale sollen einen cineastischen und räumlichen Eindruck auf den Zuschauer machen. Mit spezieller Technik kann das OLED-Display für zwei Zuschauer zeitgleich unterschiedliche Programme darstellen.
Für die neue Bildschirmtechnologie Ultra-HD arbeitet Samsung mit dem Satelliten-Betreiber Eutelsat zusammen, der einen ersten Demo-Kanal für den Sendebetrieb in der vierfach höheren Auflösung starten will. Ultra-HD-fähige Geräte mit einer Diagonale ab 55 Zoll seien für 4600 Euro im Handel erhältlich, teilte Samsung mit.
Smartphone als Kamera
Der japanische Elektronikkonzern Sony hat auf der IFA Aufsteckkameras für Smartphones vorgestellt, mit denen sich die Computerhandys in vollwertige Fotoapparate verwandeln sollen. Von außen ähneln die Geräte mit dem Namen SmartShot einem Objektiv. Innen steckt jedoch eine vollwertige Kamera, die ihre Vorzüge in Verbindung mit einem Smartphone zeigt.
Sobald etwa über die Nahfunk-Technologie NFC eine berührungslose Verbindung der Geräte aufgebaut ist, schenkt die SmartShot dem Smartphone volle Kamerafunktionalität.
Die SmartShot bringt Sony in zwei Varianten heraus. Die DSC-QX100 soll rund 450 Euro kosten, das Einsteigergerät DSC-QX10 rund 200 Euro. Die Geräte können auch über WLAN (Wifi) kommunizieren. Voraussetzung ist auf Android-Smartphones die Software-Version ab 2.3, auf iPhones funktioniert das Zusammenspiel ab der iOS-Version 4.3.
Die Japaner versuchen generell bei der Bildqualität Maßstäbe zu setzen. Auf der IFA hat Sony sein Smartphone Xperia Z1 zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.
Wichtigstes Merkmal am neuen Flaggschiff des Konzerns ist die Kamera mit ihrem 20,7 Megapixel großen Sensor und dem physischen Auslöser. Videoaufnahmen können Nutzer über Facebook live ins Internet übertragen. Außerdem hat das Smartphone ein staub- und wasserdichtes Gehäuse sowie einen 2,2 Gigahertz schnellen Prozessor mit vier Kernen. Das Xperia Z1 unterstützt neben UMTS zudem auch den neuen, schnelleren Mobilfunkstandard LTE. Zum Preis des Smartphones macht Sony bisher noch keine Angaben.
