D - DÜSSELDORF/DPA - Frauen sind in Führungspositionen deutscher Unternehmen nach wie vor unterrepräsentiert. Das belegt eine Studie des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung im Auftrag des nordrhein-westfälischen Frauenministeriums. Obwohl fast jeder zweite abhängig Beschäftigte weiblich ist, komme nur knapp jede vierte erwerbstätige Frau in eine Führungsposition. Dies berichtete NRW-Frauenminister Armin Laschet (CDU) am Dienstag in Düsseldorf.

Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland schlecht ab: In der Europäischen Union ist immerhin jeder dritte Managementposten mit einer Frau besetzt. In Lettland sind 44 Prozent der Führungskräfte weiblich, in Frankreich 38, in Großbritannien 34 Prozent. „In Deutschland ist bei keinem einzigen DAX-Unternehmen eine Frau im Vorstand“, stellte Laschet fest.

Weibliche Karrierechancen steigen mit dem Anteil von Frauen an der Gesamtbelegschaft und ihrer Präsenz in den Führungsetagen eines Unternehmens. Die jüngste Entwicklung zeige einen positiven Trend: 35 Prozent der neu eingestellten oder beförderten Führungsnachwuchskräfte seien weiblich. „Es kommt nun darauf an, diese jungen Frauen in den Unternehmen zu halten und weiter zu fördern“, unterstrich Laschet.

Auf ihrem Weg in die Führungsetagen unterstütze das Land ambitionierte Frauen mit einem Mentorenprogramm. Mit Hilfe einer erfahrenen Führungskraft an ihrer Seite habe seit 1999 bereits jede dritte Teilnehmerin einen Karrieresprung geschafft. Der Anteil der berufstätigen Frauen an allen Geschlechtsgenossinnen im erwerbsfähigen Alter liegt in NRW nach Angaben des Ministeriums bei 61 Prozent und entspricht damit dem EU-Durchschnitt, unterschreitet aber leicht den Bundeswert (66 Prozent).

Für die Unternehmensbefragung waren vor zwei Jahren 15 000 Fragebögen verschickt worden. Bei einer Rücklaufquote von 4,5 Prozent konnten rund 600 Stellenbesetzungen konkret analysiert werden.

Die Vizechefin der Grünen-Landtagsfraktion, Barbara Steffens, warf Laschet vor, nur den Zustand zu beschreiben, ohne eine Antwort zu geben, wie mehr Frauen in Führungsgremien von Privatwirtschaft, Verwaltung und Behörden kommen können. Die kleine Oppositionspartei hatte in einem Antrag an den Landtag gefordert, eine Quote für Aufsichtsratsgremien börsennotierter Unternehmen einzuführen.