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15 Jahre Iss Das Luftschloss in der Umlaufbahn

Wolfgang Jung

Moskau - Bei klarem Wetter ist der fliegende 450-Tonnen-Koloss manchmal mit bloßem Auge zu entdecken – auch ohne Positionslichter. Deutlich zeichnet sich die Internationale Raumstation ISS am Himmel ab, wenn sie auf ihrem Weg um die Erde von der Sonne angestrahlt wird. Seit den Anfängen 1998 hat es auf der Station fast 200 Außeneinsätze sowie Hunderte Experimente gegeben. Die Zukunft der ISS, die jetzt ihren 15. Geburtstag feiert, steht aber in den Sternen. Europa würde gerne die aufstrebende Raumfahrtmacht China ins Boot holen, doch scheitert dies vor allem am Widerstand der USA und Russlands.

Der „Grundstein“ für den Außenposten der Menschheit wurde am 20. November 1998 gelegt, als eine russische Proton-Rakete das erste Bauteil ins All brachte. Zwei Wochen später befestigte dann eine Space-Shuttle-Crew ein US-Modul an dem russischen Segment. Seit 2000 ist die von Deutschland mitfinanzierte Forschungsinsel ständig besetzt. Als erster Deutscher reiste 2006 der Astronaut Thomas Reiter zur ISS.

Einmalige Aussicht

Mit rund 28 000 Stundenkilometern rast die ISS in etwa 90 Minuten einmal um den Erdball. Raumfahrer schwärmen von dem Blick aus rund 400 Kilometern Höhe auf unseren Planeten. Nachts funkeln Megastädte, tags glitzern Ozeane. Aber abgesehen von dieser Aussicht sei die ISS alles andere als eine schwebende Traumherberge, erzählt der Kosmonaut Pawel Winogradow. Bei schlechter Luft und bescheidenem Essen lebe die außerirdische Wohngemeinschaft fast ohne Privatsphäre zwischen Computern und Kabeln. „Die Raumstation ist kein Luftschloss, sondern eher ein Zeltlager“, sagt auch US-Astronaut Chris Cassidy.

Gut ein Dutzend Nationen – neben den USA und Russland vor allem Europäer sowie Japan und Kanada – beteiligen sich an der ISS. Die meisten Bauteile stammen aus Russland und den USA, aber mit dem in Bremen und Turin (Italien) gebauten Columbus-Labor erhielt das „Haus im Orbit“ 2008 auch ein „europäisches Zimmer“.

Von Beginn an gab es aber auch Kritik an der Raumstation. Die Gesamtkosten von mehr als 100 Milliarden Euro stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen, meinen ISS-Gegner. Keins der bisher mehr als 1200 Experimente auf der fliegenden „Tüftlerbude“ habe Bahnbrechendes zutage gefördert, behaupten sie. Schlagzeilen mache die Station nur mit singenden Astronauten, defekten Toiletten oder als Kulisse für Hollywood-Filme wie das Weltraum-Abenteuer „Gravity“.

Ausdruck der Neugier

Der Vorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner, widerspricht dem. „Fernsehen, Kommunikation, Wettervorhersage – das alles wäre nicht möglich ohne Raumfahrttechnik“, sagt Wörner. Auch die Ergebnisse der Medizinforschung in der Schwerelosigkeit, etwa über den Kreislauf und den Salzhaushalt, würden auf der Erde genutzt. Der DLR-Chef sieht die Raumfahrt auch als Ausdruck menschlicher Neugier. „Im Weltall warten noch viele Geheimnisse auf uns. Wir verstehen noch nicht einmal fünf Prozent von dem, was da draußen ist“, meint Wörner.

Vielleicht sei die politische Dimension der ISS bedeutender als ihre wissenschaftliche, schreibt die Moskauer Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“. Nach dem kosmischen Wettlauf zwischen der Sowjetunion und den USA im Kalten Krieg sei die Raumstation heute auch ein Symbol der Völkerverständigung. „Das Gemeinschaftsprojekt ISS ist eine Art UNO im Kosmos“, sagte der vor einem Jahr gestorbene deutschstämmige Nasa-Manager Jesco von Puttkamer einst.

Geld für Betrieb fehlt

Bis 2020 haben die Raumfahrtbehörden den Betrieb der ISS vereinbart. Für die Zeit danach fehlt noch Geld. Auch deswegen schlagen die Europäer vor, China an der ISS zu beteiligen – das Riesenreich plant derzeit den Aufbau einer eigenen Raumstation. Die USA und Russland sind jedoch skeptisch, für sie hat Raumfahrt auch eine militärische Komponente. Sie wollen sich von China nicht in die Karten schauen lassen. Zudem bezweifeln Experten, dass Peking seine eigenen Pläne fallenlässt, um eine alternde ISS mitzufinanzieren.

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