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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Das Tanzfieber begann in Aachen

12.08.2009

AACHEN Eigentlich wäre das eine Quizfrage für Günther Jauchs „Wer wird Millionär“: Wo gab es die erste Disco der Welt? Berlin, München, New York oder etwa Aachen? Aachen ist richtig! Genau 50 Jahre ist es jetzt her, seit dort in Nordrhein-Westfalen aus einem Speiselokal die angeblich weltweit erste Tanzbar mit Discjockey entstand. Der Bundesverband deutscher Diskotheken (BDT) will das Ereignis mit einer deutschlandweiten riesengroßen Party feiern.

„Wir wollen nicht nur an einem einzigen Ort Party machen, sondern überall dort, wo es Diskotheken gibt“, verspricht Stephan Büttner, Geschäftsführer des BDT, der dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) angehört. „Das wird am 23. und am 24. Oktober die größte Party Deutschlands!“ Vier Tage vorher soll sich die Branche unter sich treffen. Zu einer Riesengala im westfälischen Ibbenbüren erwartet Büttner an die 1000 Unternehmer, Discjockeys und Stars von damals und heute.

Für den Dehoga-Mann waren die Diskotheken schon immer Trendsetter, ein Spiegelbild der Musiktrends. Mehr noch: „Sie waren Brutstätten für viele der späteren Prominenten in Radio und Fernsehen“, betont er. „Max Schautzer zum Beispiel soll mal als Discjockey in der Aachener Diskothek Urlaubsvertretung gemacht haben.“ Auch technisch setzten die Unternehmen damals wie heute Zeichen. So soll die große Disco-Jubiläumsparty auch ein Querschnitt aus Musik und Technik von 50 Jahren sein.

Von Bill Haleys „Rock Around The Clock“ der 50er-Jahre bis zur heutigen Lady Gaga mit „Pokerface“ haben die Diskotheken im Laufe der Jahrzehnte viele Entwicklungen durchgemacht. „Aber nach wie vor stehen sie für Fun und Vergnügen, für Entertainment und Kommunikation“, sagt Büttner. „Auch wenn die goldenen Zeiten mit jährlich 100 Millionen Besuchern in den 80er-Jahren waren – auch jetzt noch sind es 80 bis 90 Millionen.“ Welche Musik auf den Jubiläumspartys angesagt sein wird, will der Diskothekenverband den Organisatoren überlassen. „Wir wollen niemanden einengen – jeder soll entscheiden, was gespielt wird, ob deutscher Schlager, Techno, aktuelle Charts oder was auch immer“, sagt der Geschäftsführer.

Einer, der mit besonderem Vergnügen auf das Ereignis blickt, ist Klaus Quirini, Autor zahlreicher Veröffentlichungen über die Geschichte der Diskotheken. In diesem Jahr ist die neunte Auflage seines Buches „Die Geschichte der Diskotheken“ erschienen – fast 600 Seiten stark. Besser als er kann sich kaum jemand erinnern: Quirini war – wie er beschreibt – in jener Aachener Bar der erste Discjockey der Welt. „Der Scotch-Club war 1958 als Speiselokal eröffnet worden – leider blieb der Erfolg aus. Ein Jahr später sprach mich der Besitzer an. Es war der österreichische Kaufmann Franzkarl Schwendinger. Nach dem Muster von Sendungen wie bei Radio Luxemburg sollten die Schallplatten lebendig gemacht werden. 800 Mark im Monat gab es dafür – viel Geld damals“, erinnert sich der heute 68-jährige Quirini. Er nannte sich „Heinrich“. Die Nächte mit Heinrich als Discjockey begannen sich herumzusprechen, auch aus Belgien und den benachbarten Niederlanden kamen die Tanzlustigen.

Von Anfang an bestand Krawattenzwang. Auf ein angemessenes Äußeres schwört Quirini noch heute: „Damit entscheidet sich die Art des Publikums.“ Damals passierte es laut Quirini, dass sogar Frank Elstner und auch Udo Lindenberg nicht in den Club eingelassen wurden, weil der Schlips fehlte.

Auch wenn der „Scotch Club“ damals noch nicht Diskothek, sondern „Jockey Tanz Bar“ hieß – von Aachen aus traten die Diskotheken ihren Siegeszug um die Welt an. „Erst Mitte der 60er-Jahre nahm der Duden das Wort Diskothek auf. Und erst 15 Jahre später etablierten sich die Discos in den USA – angeregt durch den Tanzfilm „Saturday Night Fever“, erinnert sich der Discjockey-Veteran Klaus Quirini. „Live-Musik hatte es auch schon früher gegeben. Aber erst die Discjockeys sorgten schließlich für den Durchbruch.“

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