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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Das Versagen von Justiz und Krankenhausaufsicht

27.02.2015

Oldenburg /Delmenhorst Am Anfang gab es nur Hinweise und ein ungutes Gefühl bei Kollegen, am Ende kam eine Mordserie unvorstellbaren Ausmaßes ans Licht. Doch ohne Kathrin Lohmann aus Elsfleth wäre der Fall des Krankenpflegers Niels Högel womöglich nie ans Tageslicht gekommen. Denn sie hatte Zweifel am natürlichen Tod ihrer Mutter am 28. März 2003. Und die Tochter blieb beharrlich, sie wollte einfach nur Gewissheit.

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 Erstes Misstrauen

1994 beginnt Högel eine Ausbildung als Krankenpfleger im St. Willehad-Hospital im Wilhelmshaven. Hier ist er zwei Jahre als Krankenpfleger beschäftigt. Im Juni 1999 wechselt er auf die herzchirurgische Intensivstation des Klinikums Oldenburg, Ende 2001 auf die Anästhesieabteilung in Oldenburg. Dort fällt der Pfleger auf, weil er sich bei Reanimationen in den Vordergrund spielt. Ein leitender Arzt eröffnet Niels Högel, dass man nicht mehr mit ihm zusammen arbeiten möchte. Er wird unter vollen Bezügen drei Monate freigestellt und erhält ein Top-Zeugnis. Heute spricht man im Klinikum von zwölf ungeklärten Todesfällen mit Kalium. Die inzwischen eingerichtete Sonderkommission geht eher von 20 Fällen aus.

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 Erste Beweise

Mit der „Empfehlung“ aus Oldenburg findet er 2003 ohne Probleme in Delmenhorst eine Stelle. Und dann geht es offenbar richtig los. Denn innerhalb kürzester Zeit nimmt dort der Bedarf am Gilurytmal zu. Von 2002 auf 2003 um 450 Prozent. Die Todesrate auf der Intensivstation in Delmenhorst wächst dramatisch. Niemandem fällt etwas auf. Falsche Kollegialität?

Am 22. Juni 2005 wird Högel in einem Delmenhorster Patientenzimmer entdeckt, in dem er nichts zu suchen hat. Er hat Dieter M. (63) 40 Milliliter Gilurytmal gespritzt und eine Pumpe mit einem lebenswichtigen Medikament abgeschaltet. Eine Schwester wird misstrauisch. Leere Ampullen werden entdeckt. Trotzdem arbeitet er zunächst für einige Tage weiter.

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Erste Anzeige

Kurt Schwender, damals Oberarzt im Klinikum Delmenhorst, ermittelt Sterbe­raten und Medikamentenverbrauch auf der Intensivstation. Er gewinnt den Eindruck, dass der Krankenpfleger mehr als 100 Menschen umgebracht haben könnte. Er meldet dies bei der Polizei. Die gibt es nach Schilderung Schwenders an die Staatsanwaltschaft Oldenburg weiter, doch die Behörde bleibt untätig. Offenbar ein lästiger Fall. Eine folgenschwere Fehleinschätzung.

Warum hat die Staatsanwaltschaft sich nicht gekümmert, ob es weitere Mordversuche gab? Warum müssen die Angehörigen sich Ermittlungen geradezu erkämpfen? Zwei Staatsanwälte nacheinander lassen den Fall Högel liegen. In Justizkreisen in Oldenburg spricht man heute hinter vorgehaltener Hand von „Faulheit“ des einen Staatsanwalts. Gegen beide Kollegen ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft Osnabrück.

Doch obwohl man meinen könnte, der Fall Högel wird nun endlich aufgeklärt, kommt es noch schlimmer.

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 Erstes Urteil

Am 22. Dezember 2006 wird der Krankenpfleger wegen versuchten Totschlags zu fünf Jahren Haft und einem befristeten Berufsverbot verurteilt. Staatsanwaltschaft und Nebenklage gehen in Revision. Schon im erstinstanzlichen Urteil wegen versuchten Totschlags gibt es konkrete Hinweise auf erhöhte Todesraten und einen gestiegenen Medikamentengebrauch.

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 Noch keine Ruhe

Endlich Ruhe? Nein. Niels Högel arbeitet in zwei Altenheimen in Wilhelmshaven weiter als Pfleger und beim DRK als Rettungssanitäter. Denn die Staatsanwaltschaft Oldenburg und das Gericht hatten es versäumt, ein vorläufiges Berufsverbot auszusprechen. Das wäre nötig gewesen, weil das Urteil wegen der Revision nicht rechtskräftig war. Er bleibt bis zur endgültigen Rechtskraft des Urteils auf freiem Fuß. Da der Bundesgerichtshof das Urteil des Landgerichts Oldenburg teilweise aufhebt und damit der Revision der Nebenklage Rechnung trägt, wird der Prozess neu aufgerollt. Erst zweieinhalb Jahre nach der ersten Verurteilung geht Niels Högel – diesmal wegen versuchten Mordes – schlussendlich ins Gefängnis.

Norbert Wahn Redakteur / Politikredaktion
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