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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Dauerbrenner aus der Schublade

24.05.2008

BERLIN Als „Erfinder“ des „Tatorts“ gilt Gunther Witte. Doch der Assistent des damaligen WDR-Spielfilmchefs Günter Rohrbach stieß mit seinen Plänen bei den Landesrundfunkanstalten zunächst auf Skepsis. Eine Weile sah es nicht gut aus um das Projekt, dass heute die erfolgreichste Krimireihe im deutschen Fernsehen ist. Auf die Idee war Witte von Rohrbach angesetzt worden. „Ich sollte eine Krimi-Reihe entwickeln, dabei war ich gar kein Krimifan“, erinnert sich Witte. Aber er habe früher die Radiosendung „Es geschah in Berlin“ gehört, eine dokumentarische Erzählung über den Polizeialltag. Die Idee übersetzte er ins Fiktive, den Titel ins Allgemeine: „Tatort“.

Damit trat er – der Redakteur – auf der Konferenz der Fernsehspielchefs an. Er merkte bald, dass die Direktoren nicht begeistert waren. „Was ich damals nicht wusste: Der WDR war bereits eine starke Anstalt mit dem größten Programm im ARD-Verbund.“ Das so eine Idee nun vom WDR kam, „das hat die gerärgert“, sagt er. In Einzelgesprächen habe er noch versucht, die Spielfilmchefs umzustimmen. „Mein Haupteinfall war ja die Regionalität. Ich wusste, wenn ich das Konzept so vorschlage, weiß jeder Sender, dass ihm kein anderer reinreden kann“. Allein – es zog noch nicht. „Damit war die Sache erstmal erledigt“, sagt Witte.

Doch dann kam das ZDF. Laut Witte arbeitete der 1963 gestartete Konkurrent an einer „großen Unterhaltungsoffensive“. Plötzlich hätten sich die Spielfilmdirektoren erinnert, dass er da doch mal so eine Krimireihe konzipiert habe. „Also musste ich wieder ran, und plötzlich war da helle Begeisterung.“ Von da an habe es gar nicht schnell genug gehen können. Von den Vorgaben, die er sich für die Reihe gesetzt hatte – Kommissar im Mittelpunkt, nachvollziehbare Fälle und stets eine Auflösung – blieb in der Folgezeit einiges auf der Strecke. „Dafür habe ich die Kollegen später immer ein bisschen beschimpft“, sagt Witte.

Der erste „Tatort“ kam aus Hamburg. Der NDR schickte mit „Taxi nach Leipzig“ Walter Richter als Kommissar Trimmel zur Geburt der Krimi-Reihe am 29. November 1970 auf Sendung. An diesem Sonntag spielt Leipzig wieder eine Rolle: Simone Thomalla als Kommissarin Eva Saalfeld und Martin Wuttke als ihr Kollege Andreas Keppler ermitteln in der 700. Folge „Todesstrafe“ erstmals in der Stadt.

Dass der NDR „Taxi nach Leipzig“ zuerst sendete, war nach Wittes Erinnerung „eher Zufall“. Der Sender im Norden hatte eine eigene Reihe nach Büchern von Werner Meyer geplant, die erste Episode schon fast fertig. Schon der dritte „Tatort“, der vom WDR kam, sprengte mit Zollfahnder Kressin den Rahmen: „Das war ein kleiner deutscher Bond und passte überhaupt nicht in die Reihe.“

Bald wiesen die „Tatort“-Nachspänne renommierte Namen auf: Regisseur Wolfgang Petersen inszenierte den achten Fall, „Blechschaden“ für den NDR, der im Juni 1971 lief, Wolfgang Menge schrieb ab dem dritten „Tatort“ viele Bücher, Michael Verhoeven führte bei „Kressin und der Mann mit dem gelben Koffer“ 1972 Regie, Dieter Wedel stieg 1973 mit „Ein ganz gewöhnlicher Mord“ ein, Wolfgang Staudte machte im gleichen Jahr seinen ersten „Tatort“, „Tote brauchen keine Wohnung“.

Aus heutiger Sicht fällt Witte zuerst die veränderte TV-Ästhetik auf. Damals sei alles langsamer gelaufen, dialoglastiger gewesen. „Wenn man heute so was produzieren würde, wären die Zuschauer nach fünf Minuten weg“, ist er überzeugt. Warum es im deutschen Fernsehen so viele Krimis gibt, weiß Witte auch nicht. Der Krimi habe sich in Deutschland zu einem TV-Format entwickelt. Dagegen sei er im deutschen Kino fast chancenlos. „Das Genre ist ganz aufs Fernsehen

abgestellt“, sagt er. Der „Tatort“ hat daran seinen Anteil: In den ersten Jahren gab es pro Jahr elf Episoden, 2007 waren es schon 36.

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