Delmenhorst - Seit 2014 gibt es bei der Anonymen Drogenberatung in Delmenhorst auch eine Mediensuchtberatung. Beraten werden Jugendliche und Erwachsene, die sich Klarheit über ihren Medienkonsum oder den anderer Personen verschaffen wollen. Etwa ein Drittel der Betroffenen spielt exzessiv Computerspiele, ein Drittel ist exzessiv in sozialen Medien unterwegs, ein Drittel konsumiert exzessiv Pornografie oder hat eine andere Online-Sammelsucht, berichtet Tim Berthold (38), Leiter des Bereichs Prävention der Anonymen Drogenberatung. „Die Wege in die Abhängigkeit sind unterschiedlich“, ist die Erfahrung von Berthold. „Es liegt nie nur am Spiel. Das Spiel muss aber etwas haben, das einen fesselt.“ Meist komme dazu, dass es im normalen Leben, in Schule und Beruf nicht rund laufe. Dagegen stehe das Versprechen der Computerspiele: „Wenn ich gut spiele, bekomme ich eine Belohnung.“

Entscheidend sei der Kon­trollverlust, der mit dem exzessiven Spielen einhergehe. Spielsucht liege dann vor, wenn ein Spieler nicht mehr kontrollieren könne, dass er spielt, obwohl er die negativen Folgen spüre, sagt Berthold. Es sei wie eine Droge: Bei mehr Konsum „kommt der Spaß dann wieder.“

Interessant aus der Beratungstätigkeit sei, dass oft erst die Eltern von Jugendlichen in die Beratung kämen. Eine zweite Kategorie bilden junge Erwachsene, die selbst erkannt haben, dass ihr Medienkonsum fatale Auswirkungen auf Beruf und Familie hat. Es seien die großen interaktiven Computerspiele wie „World of Warcraft“, die das Potenzial haben, süchtig zu machen, ist die Erfahrung des Suchtexperten. Spiele, die eine Mission beinhalten, die irgendwann abgeschlossen ist, würden eher geringes Suchtpotenzial beinhalten. Die Mehrzahl der Jugendlichen lerne, damit umzugehen, etwa zehn Prozent aber nicht, und darin liege die quantitative Dimension der Computerspielsucht.

In Zahlen: In Delmenhorst wurden 2018 insgesamt 29 Klienten und 34 Angehörige betreut. Die Zahl sei leicht steigend, berichtet Berthold. Erstaunlich sei, dass alle Klienten männlich seien, obwohl aus internen Befragungen von Schülern hervorgehe, dass zwölf Prozent der Schülerinnen sagten, ihr Medienkonsum sei exzessiv und sie hätten ein Problem damit.