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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Der Anfang vom Ende Napoleons

14.10.2013

Leipzig Am 17. Oktober 1813 hatte das Grauen in Europa einen Namen: Leipzig. Rund um die sächsische Handels- und Universitätsstadt tobte seit 36 Stunden eine Schlacht, wie sie die Welt bis dahin noch nicht erlebt hatte. Rund um die Stadt hatten etwa 200 000 Franzosen, Polen, Württemberger und Sachsen Position bezogen. Sie wurden geführt von einem Mann, den viele für ein militärisches Genie hielten: Napoleon I., Kaiser der Franzosen. Seine Truppen waren am 16. Oktober von 205 000 Preußen, Österreichern, Russen, Schweden und Engländern angegriffen worden. Weitere 155 000 Mann waren im Anmarsch. Auf dem Schlachtfeld hielten sich neben Napoleon drei der wichtigsten europäischen Monarchen auf: Friedrich Wilhelm III., König von Preußen, Franz I., Kaiser von Österreich und Alexander I., der russische Zar.

Am Morgen des 17. Oktober sprengten die Verluste und Gräuel bereits jedes Vorstellungsvermögen. In der Stadt herrschte das blanke Chaos. Sie war vollgestopft mit Soldaten, die 35 000 Bürger hatten sich in ihren Kellern versteckt, es wurde geplündert, tote Menschen lagen überall in den Straßen. Der Leipziger Schriftsteller, Musikkritiker und Verleger Friedrich Rochlitz wurde zum Chronisten des Grauens. Er schrieb am Morgen des Tages: „Noch immer liegen nicht wenige Verwundete am Markte unversorgt auf den Steinen, so dass an mehreren Stellen man, ganz wörtlich genommen, durch Blut schreitet.“ Die Kämpfe aber gingen mit unverminderter Härte weiter.

Sympathie und Hass

Die Ursachen des Schlachtens lagen mehr als 20 Jahre zurück. Die französische Revolution – die Abschaffung der Privilegien des Adels und die Vision eines Lebens in Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – hatte auch im staatlich zersplitterten Deutschland mächtigen Widerhall gefunden. Die französischen Ideale begeisterten viele Studenten, Intellektuelle, Kaufleute und selbst Handwerker. Sie erhofften sich, dass die Veränderungen in Frankreich ein Beispiel für Preußen, Österreich, Sachsen oder auch das Herzogtum Oldenburg werden würden und in diesen Staaten mehr persönliche, politische und wirtschaftliche Freiheit bewirkten. Das blieb auch noch so, als der Revolutionsgeneral und Kriegsheld Napoleon Bonaparte 1799 per Staatsstreich die Macht übernahm, die Revolution für beendet erklärte und 1802 gar eine persönliche Diktatur errichtete. Seine Verwaltungs- und Militärreformen, und vor allem die Einführung eines einheitlichen Zivilgesetzbuches, des Code Civil, galten in weiten Kreisen des deutschen Bürgertums als vorbildlich.

Doch diese Bewunderung für Frankreich, für seinen Ersten Konsul Napoleon Bonaparte verwandelte sich spätestens 1804, als sich Napoleon selbst zum Kaiser krönte, in weitreichende Skepsis und 1806 nach der verheerenden Niederlage Preußens gegen Frankreich in Abscheu. Viele, die den Ersten Konsul bewundert hatten – wie etwa auch Ludwig van Beethoven – hassten den Kaiser. Galt Frankreich 1789 als Vorbild für Veränderungen, wandelte es sich nun zum Zentrum der Unterdrückung Europas. In den eroberten Gebieten setzte der Kaiser Verwandte als Herrscher ein und plünderte diese Regionen gnadenlos aus. Als Napoleon, um Großbritannien in die Knie zu zwingen, den Handel zwischen Kontinentaleuropa und der Insel verbot, die „Kontinentalsperre“ verkündete, ruinierte das weite Kreise des deutschen Bürgertums. Aber es begann sich Widerstand zu regen.

Erfolgreicher Widerstand

Im besiegten Preußen hatte sich eine Gruppe Offiziere und Politiker daran gemacht, Staat und Armee gründlich zu reformieren. Männer wie der Freiherr vom Stein, Gneisenau und Scharnhorst krempelten Preußen um. Die Leibeigenschaft wurde abgeschafft, die Armee zu einem auf der – von Frankreich übernommenen – Wehrpflicht aufgebauten Volksheer umgestaltet. Als Napoleons Grande Armée in Russland 1812 vernichtet wurde, war die Zeit reif. Der preußische König rief – widerwillig unter dem Druck seines Volkes – zum Widerstand auf. Das Echo war enorm. Die bürgerliche Jugend, vor allem Studenten, fanden sich in Freiwilligenverbänden wie den Lützower Jägern zusammen. Sie wollten nicht nur die Franzosen besiegen, sondern auch ein einiges Deutschland erkämpfen. Der nationale Gedanke wurde zur Ideologie einer begeisterten Jugendbewegung, von der wir heute die Farben der deutschen Fahne, das Schwarz-Rot-Gold, geerbt haben. Im Frühjahr 1813 schlossen Preußen und Russland ein Bündnis, dem sich später auch Österreich anschloss. Bis Oktober 1813 verliefen die Feldzüge wechselhaft. Das Drama bei Leipzig musste also eine Entscheidung bringen, da sämtliche Kräfte Napoleons und der Verbündeten aufeinandertrafen.

Am 17. Oktober war die Schlacht noch nicht entschieden. Napoleon hatte zwar die Siegesglocken läuten lassen, doch die Verbündeten waren bereits in einer deutlich vorteilhafteren Situation. Am 18. Oktober überrannten sie an mehreren Stellen die Front, und Napoleon befahl den Rückzug. Nur 80 000 Mann waren ihm geblieben.

Auf beiden Seiten gab es insgesamt 90 000 Tote. Für Leipzig war das eine einzige große Katastrophe. Noch monatelang war die Stadt überfüllt mit Verwundeten, Handel und Gewerbe waren zusammengebrochen. Mehr als zehn Prozent der Einwohner starben an Seuchen. Zehntausende wurden in Massengräbern verscharrt. Noch heute werden bei Bauprojekten solche Gräber gefunden.

Dr. Alexander Will Leiter Newsdesk / Politikredaktion
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