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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Der Mann, der die Mauer öffnete

05.10.2009

Von Reinhard Tschapke

Frage: Hat sich jemals jemand bei Ihnen dafür bedankt, dass Sie einen Befehl verweigerten, die Berliner Mauer öffneten und damit Weltgeschichte schrieben?

Jäger: Ich habe einige Zuschriften kommen, ein paar Anrufe – das war’s.

Frage: Sind Sie ein bescheidener Mensch?

Jäger: Ich habe überhaupt keinen Grund, überheblich zu sein.

Frage: Sie haben immerhin die Berliner Mauer nachweislich als Erster geöffnet und damit den Untergang der DDR besiegelt. Ein strammer SED-Mann wie Egon Krenz heftet sich viele Verdienste in diesem Zusammenhang an die Brust.

Jäger: Das ärgert mich wirklich, das ist tatsächlich das Schlimme, dass plötzlich alle behaupten, daran mitgewirkt zu haben, ja es sogar geplant zu haben. Aber das ganze Durcheinander war garantiert nicht von langer Hand vorbereitet! Aber wenn es wirklich von langer Hand geplant gewesen sein soll, dieses Durcheinander in der Nacht an der Bornholmer Straße in Berlin, dann waren die Planer nicht nur Dummköpfe, sondern Verbrecher! Dann hätte man mit Toten und Verletzten rechnen müssen!

Frage: Sie wussten damals über viele Stunden gar nicht, wie sie handeln sollten, nachdem sich Tausende DDR-Bürger spontan vor dem Grenzposten versammelt hatten.

Jäger: Das war haargenau das Problem. Wir wussten nicht, wie wir aktiv werden sollten. Es gab keine Befehle, ich konnte nur nach meiner Façon handeln. Es hätte ins Auge gehen können. Noch einmal: Wenn das so beabsichtigt war, dann war es vollkommen naiv.

Frage: Treffen Sie nach 20 Jahren noch Kameraden aus der Grenztruppe?

Jäger: Nein, die sind in alle Winde zerstreut. Es gibt keine alte Kameradschaft, von so etwas halte ich auch nichts. Ich bin unabhängig, zwar ein politisch denkender Mensch, aber kein Mitglied irgendeiner Partei.

Frage: Was machen Sie am 9. November 2009, genau 20 Jahre nach dem Mauerfall in Berlin, bei dem Sie einer der Hauptakteure waren?

Jäger: Da werde ich auf Lesereise sein, stelle ein weiteres Mal mein Buch „Der Mann, der die Mauer öffnete“ vor.

Frage: Gibt es neue Erkenntnisse, durch die Sie Ihre Erinnerungen ändern mussten oder ergänzen konnten?

Jäger: Viele Experten und sogenannte Experten haben die Nacht von damals durchforscht. Neues haben die aber nicht zutage gefördert.

Frage: Hat es sich für Sie finanziell und publizistisch wenigstens gelohnt, der „Maueröffner“ gewesen zu sein?

Jäger: Naja, es geht so. Fernseh-Talkshows lehne ich ja schon grundsätzlich ab, eine Einladung von Johannes B. Kerner habe ich zum Beispiel ausgeschlagen. Das liegt mir nicht, das kann ich auch nicht. Das biografische Buch mit Gerhard Haase-Hindenberg war für mich schon eine große Überwindung, das hätte ich ohne Ko-Autor nicht schreiben können, denn ich meide die Öffentlichkeit.

Frage: Sind Sie nach 20 Jahren voll im westlichen System angekommen?

Jäger: Es gibt sicher Einiges, was man aus der DDR hätte übernehmen können, aber ansonsten habe ich alle Probleme des Übergangs überwunden. Die DDR möchte ich überhaupt nicht wiederhaben. Ich habe sie ja zur Genüge kennengelernt, mit allem Weh und Übel. Ich bin jetzt in Rente, seit gut einem Jahr – zum Glück!

www.nwzonline.de/Jahrestag2009

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