Frankfurt - Die Enten werden jetzt watscheln und feiern: Am 9. Juni wird Donald Duck 80 Jahre alt. Ganz sicher hat Oma Duck ein wirklich gewaltiges Büfett ihm zu Ehren aufgebaut, Dauerfreundin Daisy könnte einen gigantischen Geburtstagskuchen gebacken haben und die jungen Neffen Tick, Trick und Track haben für ihren „Onkel Donald“ vermutlich ihr Sparschwein geschlachtet und ein würdiges Geschenk besorgt. Nur Onkel Dagobert, der ewige Knauser, überlegt sich wohl immer noch, ob er ohne Präsent zum Geburtstagsessen kommen kann.
Der liebenswürdig-cholerische Erpel mit legendären Geldnöten ist heute die beliebteste Figur aus Walt Disneys Entenhausen. Dabei hatte er nur eine kleine Nebenrolle, als er 1934 bei der Uraufführung des Zeichentrickfilms „Die kluge kleine Henne“ aus dem Ei schlüpfte. Zwei Monate später trat er als Kleindarsteller in einem Micky-Maus-Cartoon auf. Mit seiner erfrischend ungestümen Art bildete der Newcomer das ideale Gegengewicht zum arrivierten Herrn Maus, und bereits 1936 war er gleichberechtigter Co-Star neben Micky und Goofy.
Kurzfilme
Damit nicht genug: 1937 erhielt Donald seine eigene Kurzfilmreihe. In nur zwei Jahrzehnten entstanden weit über 100 Filme, von denen nicht wenige Kultstatus erlangt haben. Im Jahr 1943 gab es sogar einen Oscar: Der nazifeindliche Zeichentrickfilm „The Fuehrer“s Face“, in dem Donald sich als Arbeiter in einer deutschen Munitionsfabrik wiederfindet, wurde als bester Kurzfilm ausgezeichnet. Zum 80. Geburtstag nun hat die Berliner Egmont-Comic-Collection Donald Duck einen 174-seitigen großformatigen Comicband mit einigen seiner besten Erlebnisse gewidmet, Titel: „Held in allen Lebenslagen“.
Die bis heute schönsten Donald-Duck-Geschichten stammen sicherlich von Carl Barks (1901-2000). Der legendäre Zeichner und Texter trat 1943 in Donalds Leben und hat den Entenhausen-Kosmos maßgeblich geprägt. Mit Barks wurde Donald zu dem Egozentriker und Hysteriker, wie ihn die Entenhausen-Fans bis heute lieben. „Er organisiert seine eigene Zerstörung, um sich selbst zu beweisen. Das ist seine Tragödie“, sagte Barks einmal über Donald.
Der Erpel ist ein Temperamentbündel mit Neigung zu explosiven Wutausbrüchen: Seine frechen und prahlerischen Attitüden verwandeln sich sehr bald in Zorn, wenn ihn jemand herausfordern will. Unnachahmlich sind Donalds Drohgebärden und seine quakende Stimme im Film, die ihm im Original bis 1983 Clarence Nash gab. Nash starb 1985, auf seinem Grabstein sind Donald und Daisy eingraviert.
Daisy, die Traumfrau
Der Erpel lernte seine Daisy 1937 kennen, als kokette Señorita mit wild klimpernden Wimpern. Ihre Beziehung – beide haben nie eine gemeinsame Wohnung gehabt – hat allen Kleinkrieg, versäumte Rendezvous und Streitereien bis heute wacker überstanden.
Für Abenteuer in aller Welt, oft gemeinsam mit seinem geizigen Geldonkel Dagobert, ist Donald immer zu haben. Ob in China, in Indien, auf abgelegenen Inseln, im Eismeer oder im Weltall, es gibt vermutlich keinen Winkel im Universum, den Donald Duck nicht schon bereist hat. Arbeit kommt dagegen meist nur dann in Frage, wenn auch das Sparschwein seiner Neffen nichts mehr zum Leben hergibt.
Als ganz junger Erpel hatte er allerdings große Pläne: 1936, nur zwei Jahre nach seiner „Geburt“, kandidierte er für das Amt des amerikanischen Präsidenten: „Donald Duck for President“ warb das Cover des „Mickey Mouse Magazine“ mit seinem Porträt. Hat nicht geklappt, aber immerhin hat Donald Duck es sogar zum Bürgermeister von Entenhausen gebracht. Ein Pechvogel ist er in den 80 Jahren seines Comiclebens geblieben und dennoch sympathisch. Seine Neffen, Daisy, Oma Duck und Geldonkel Dagobert ziehen Donald immer wieder dem Unsympath und Glückskind Gustav Gans vor. Die Entenhausener lieben ihn und die Fans auch.
