• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Der „Zug der Freiheit“ rollt noch einmal los

04.09.2009

DRESDEN Die Züge mit DDR-Flüchtlingen aus der Prager Botschaft sind auch 20 Jahre nach ihrer Fahrt in die Freiheit unvergessen. Am 1. Oktober soll noch einmal ein Zug von Prag nach Hof auf die Reise gehen und an das historische Ereignis erinnern. Eines steht schon fest: Die Nachfrage übersteigt auch dieses Mal das Platzangebot um ein Vielfaches. Am Donnerstag verrieten die Organisatoren – darunter der Dresdner Verein Kultur Aktiv und die Deutsche Bahn – Details der denkwürdigen Reise.

Im Herbst 1989 brachten 23 Züge tausende DDR-Bürger aus Prag ins oberfränkische Hof. Nur die letzten von ihnen mussten nicht mehr durch ihre alte Heimat fahren. Anfangs hatte die DDR-Führung darauf bestanden, die Züge über Dresden, Freiberg, Chemnitz und Plauen gen Westen zu schicken, um so eine reguläre Ausreise zu suggerieren. Doch entlang der Strecke kam es zu Demonstrationen, viele Bürger wollten auf die Züge aufspringen. „Wir fragten uns, ob am Ende nicht doch noch die Russen eingreifen“, erinnert sich der Dresdner Markus Rindt.

Rindt hatte schon als Kind davon geträumt, in den Westen zu gehen, und dafür Pläne geschmiedet. „Anfangs wollte ich als Hirsch verkleidet über die grüne Grenze.“ Als er 21 Jahre alt war, tat sich die Chance über die Prager Botschaft auf. Der Musiker fuhr mit seiner Freundin in die tschechische Hauptstadt. Doch die Straßen zur Botschaft waren von Polizisten blockiert. Als ein Vater mit zwei Kindern an der Hand auf die Uniformierten zuging, habe sich deren „Wand“ plötzlich geteilt und so Platz für die Flüchtlinge gemacht.

Rindt saß seinerzeit im „Zug der Freiheit“ und macht nun bei der Neuauflage mit. Ein anderer Organisator stand im Oktober 1989 als 15- Jähriger am Bahnhof in Freiberg und sah, wie die Polizei Hunde auf Demonstranten hetzte. Mirko Sennewald hatte 2007 mit tschechischen Freunden in einer Prager Bierkneipe die Idee, den Zug noch einmal fahren zu lassen. Inzwischen kennt er viele Details der damaligen Zugfahrten.

„Es stellt sich ja die Frage, wie die DDR das logistisch schaffte, so viele Züge zusammenzustellen, ohne dass es anderswo zu Störungen kam.“ Ein früherer Dispatcher der Deutschen Reichsbahn konnte Sennewald aufklären. Die Züge waren schon im September '89 allmählich aus dem Bestand herausgelöst worden, weil sie Jugendliche zum Fackelzug anlässlich des 40. Geburtstags der DDR am 7. Oktober nach Berlin bringen sollten. Nach ihrem Einsatz auf der „Freiheitsstrecke“ fuhren sie dann tatsächlich in die Hauptstadt.

Bei der Fahrt dürfte trotz langer Reisedauer keine Langeweile aufkommen. Laut Fahrplan soll der Zug mit historischen Waggons um 8 Uhr in Prag starten und um 19 in Hof eintreffen.

Mit an Bord sind Jugendliche der Generation '89, Künstler und Zeitzeugen. An den Bahnhöfen wird gleichfalls gefeiert. Kurz vor Hof hat der Zug eine imaginäre Mauer zu durchbrechen – allerdings bildet die von Feuerwehren gespeiste Wasserwand keine Risiken für die Passagiere.

Wie damals bekommen die Zuginsassen nach der Ankunft ein warmes Essen aus der Gulaschkanone. Die Stadt Hof inszeniert ein Fest. „Die Züge waren für uns ein epochales Ereignis“, sagt Jürgen Stader, der 1989 im Einsatzstab für die Flüchtlinge arbeitete. Er geht davon aus, dass die Euphorie auch 20 Jahre später wieder aufkommt. „Viele Leute aus Hof wollten mitfahren. Es sind mittlerweile viele Freundschaften zwischen Ost und West entstanden.“

www.NWZonline.de/jahrestage2009

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.