Berlin - Die Berliner Reaktion auf Obamas Wiederwahl: Erleichterung pur. Auch beim Altmeister der deutschen Außenpolitik, Hans-Dietrich Genscher (FDP): „Ich glaube, dass es ein gutes Vorzeichen ist für eine neue Annäherung zwischen Europa und den Vereinigten Staaten.“
Im Minutentakt gehen Glückwunsche nach Amerika. Der Bundespräsident ganz vorne. Schon um 8.20 Uhr gratuliert Gauck dem US-Präsidenten „sehr herzlich“ und wünscht noch „Gottes Segen“ dazu. Gauck fügt auch einen ganz persönlichen Dank hinzu: „Nie werde ich vergessen, dass die Vereinigten Staaten uns Deutschen unverbrüchlich zur Seite standen, wann immer es um die Freiheit und Einheit unseres Landes ging.“
Nicht störungsfrei
Angela Merkel zögert länger. Erst um 9.05 Uhr freut sich die Kanzlerin, „Gespräche und Begegnungen“ fortsetzen zu können, „damit unsere Länder auch weiterhin Seite an Seite die wichtigen außenpolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen wir als Freunde und Verbündete stehen, gemeinsam meistern können“. Das klingt gewunden und kompliziert. Spiegelt aber die nicht ganz störungsfreie Beziehung Merkels zu Obama wider. Mehrfach flog dieser in den letzten Jahren bei Besuchen in Europa demonstrativ um Deutschland herum. Immerhin: „Es wäre mir eine Freude, Sie bald als Gast begrüßen zu können.“
Groß war lange Zeit die Angst, dass der Republikaner Mitt Romney als Arm der besonders konservativen „Tea-Party“ agieren würde. Mit unkalkulierbaren Folgen für das transatlantische Verhältnis.
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verfolgte das Auszählungs-Duell in einem New Yorker Steakhouse mit Austern und Hummer. „Wir haben außenpolitisch immer gut zusammengearbeitet“, lobt Westerwelle die Partner in Washington.
„Ich bin mir sicher, dass Obama auf Europa zugehen wird“, zeigt sich zeitgleich der frühere Koordinator der deutsch-amerikanischen Beziehungen, Karsten Voigt (SPD), zuversichtlich.
„Tief gespalten“
SPD-Chef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier gratulieren gemeinsam und wünschen sich Obama weiter als „verlässlichen und engen Partner“. Der Parlamentarische SPD-Fraktionsgeschäftsführer, Thomas Oppermann, warnt bei aller Freude vor zu viel Euphorie. Die USA seien ein „tief gespaltenes Land“, Obama habe jetzt „die Chance, den schon verliehenen Friedenspreis auch zu verdienen“.
Ähnlich differenziert urteilen die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Jürgen Trittin: „Für Kanzlerin Merkel wird es nicht einfach. Sie wird weiterhin mit einem US-Präsidenten zusammenarbeiten, der der festen Überzeugung ist, dass die deutsche Politik in der Eurokrise Teil der wirtschaftlichen Probleme der USA ist.“ Linke-Fraktionschef Gregor Gysi hofft, dass sich Obama „um Jobs und Infrastruktur in Amerika kümmert und weniger Kriege führt in aller Welt.“
Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer reagiert weniger kritisch, sondern sieht eher ein „Signal für Kontinuität“. Und Vize-Kanzler und FDP-Chef Philipp Rösler freut sich einfach, dass „ein guter Freund Deutschlands“ gewonnen hat.
