Bremen - Sie haben stundenlang Tests am Computer gelöst, in Rollenspielen gezeigt, dass sie teamfähig sind, haben Blut-, Urin- und Ultraschalluntersuchungen über sich ergehen lassen. Jetzt trennt sie nur noch ein Bewerbungsgespräch von ihrem großen Traum: einer Reise 2020 zur Internationalen Raumstation ISS. Sechs Frauen haben sich beim Auswahlverfahren einer privaten Initiative, die Deutschlands erste Astronautin ins All schicken will, gegen mehr als 480 andere durchsetzen können. Zwei von ihnen werden zur Raumfahrerin ausgebildet, eine soll 2020 zur ISS fliegen und dort zehn Tage verbringen.
Unter den sechs Finalistinnen sind eine Kampfpilotin, zwei Ingenieurinnen, eine Raumfahrttechnikerin, eine Astrophysikerin und eine Meteorologin. Die Jüngste ist 28, die Älteste 37 Jahre alt. Die Kandidatinnen wurden am Mittwoch bei Airbus in Bremen, dem größten Raumfahrtstandort in Deutschland, vorgestellt:
Nicola Baumann (32) ist Eurofighter-Pilotin bei der Bundeswehr in Nörvenich bei Köln. Sie trägt den Dienstgrad Major und ist unter anderem für die Luftraumüberwachung in Deutschland und anderen Nato-Nationen zuständig. Nach einer Offiziersausbildung machte die Münchnerin eine Ausbildung zur Kampfflugzeugpilotin und absolvierte ein Fernstudium in Maschinenbau. Geschwindigkeiten von mehr als 2000 Stundenkilometern gehören für sie zum Alltag.
Lisa Marie Haas (36) aus Nürtingen ist Entwicklungsingenieurin und Teilprojektleiterin bei der Robert Bosch GmbH in Reutlingen. Sie ist spezialisiert auf Sensoren, die im Bereich Consumer Electronics zum Einsatz kommen, etwa in Handys, Spielekonsolen, Wearables oder in Drohnen. Sie promovierte am Institut für Theoretische Physik in Heidelberg.
Susanne Peters (32) stammt aus Potsdam und ist promovierende Ingenieurin der Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Raumfahrttechnik der Universität der Bundeswehr München. Heute beschäftigt sie sich mit der Entfernung von Weltraummüll aus dem Orbit. Peters studierte Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart.
Magdalena Pree (28) ist gebürtige Österreicherin mit deutschem Pass und aufgewachsen in der Nähe von Passau. Sie arbeitet im Galileo Kontrollzentrum der DLR Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen in Oberpfaffenhofen. Neben Live-Operationen am Satellitensystem, ist die 28-Jährige in dem Satellitenkontrollzentrum unter anderem für die Identifizierung von Problemen und deren Lösung sowie für die Kontrolle von Systemkomponenten verantwortlich.
Suzanna Randall (37) stammt aus Köln, ist Astrophysikerin und arbeitet an der Europäischen Südsternwarte in Garching. Sie beschäftigt sich mit der Evolution von Sternen und arbeitet außerdem für das ALMA Projekt in Chile, dem derzeit größten Teleskop der Welt.
Insa Thiele-Eich (36) aus Heidelberg ist Meteorologin und wissenschaftliche Koordinatorin am Meteorologischen Institut der Universität Bonn. Sie betreibt Grundlagenforschung für eine verbesserte Wetter- und Klimavorhersage und untersucht zum Beispiel den Wasser- oder Energieaustausch zwischen Boden, Vegetation und Atmosphäre.
Und wie läuft die Wahl ab? Wie bei einer Castingshow wurde die Teilnehmerinnenzahl erst auf 120, dann auf 30 und nun auf sechs reduziert. Mitte April bleiben noch zwei. „Schon aus der engen Auswahl von 80 Frauen die sechs Finalistinnen auszuwählen, war schwierig“, sagte Claudia Stern, Ärztliche Direktorin am Institut für Luft- und Raumfahrttechnik. Sie leitet das medizinisch-psychologische Auswahlverfahren.
„Die Resonanz auf das Thema Raumfahrt ist in der Bevölkerung enorm. Es ist ein Thema, das uns emotional bewegt“, sagte Oliver Juckenhöfel, Leiter des Airbus-Raumfahrt-Standortes Bremen. Die größte Herausforderung steht der Aktion aber noch bevor. Denn um die Siegerin ins All zu schicken, sind 50 Millionen Euro für Ausbildung, Flug und den Platz auf der Raumstation nötig. Und die Initiatoren der Aktion „Die Astronautin“ suchen derzeit Sponsoren, um die Kosten zu decken. Mit Spardose und Crowdfunding-Kampagne versuchten die Veranstalter dann auch am Mittwoch, Gönner zu finden.
