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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Abspaltung: Die Folgen, wenn Englands Erzfeind dafür stimmt

06.09.2014

London Sollten die Schotten am 18. September „Yes“ sagen zur Unabhängigkeit, dann sind sie eineinhalb Jahre später, im März 2016, ein eigener Staat. Und längst nicht alle Fragen sind geklärt.

Wäre ein unabhängiges Schottland EU-Mitglied ?

Dafür gibt es kein Musterbeispiel. Die Regierung in Edinburgh argumentiert, dass sie nach Artikel 48 des Vertrags über die Europäische Union aushandeln könnte, ab März 2016 übergangslos ein selbstständiges Mitglied zu sein. London hält dagegen: Schottland müsse sich neu bewerben, wie es Artikel 49 vorsieht. So sieht es auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Im Februar sagte er, ein EU-Beitritt werde „sehr schwierig, wenn nicht unmöglich“ für Schottland, weil alle Mitglieder zustimmen müssen – auch die Briten.

Rest-Britannien bliebe also EU-Mitglied?

Erst mal schon, das Referendum ändert daran nichts. Aber es könnte trotzdem den Austritt der Briten aus der Union bewirken. Denn die Schotten sind im Vergleich zu den Engländern ziemlich EU-freundlich. Sollte es 2017 eine Volksabstimmung der Briten über ihre EU-Mitgliedschaft geben, wie David Cameron das in Aussicht stellt, dann würden den Pro-Europäern die schottischen Stimmen fehlen.

Gäbe es für Europa sonst noch Folgen?

Aus verschiedenen Ecken Europas schauen Bevölkerungsgruppen gespannt nach Edinburgh, die selbst gern unabhängig wären – etwa die Katalanen in Spanien oder die Korsen in Frankreich. Nationalbewegungen könnten ordentlich Auftrieb bekommen, wenn die Schotten „Yes“ sagen zur Unabhängigkeit. Auch die Republikaner in Nordirland könnten ein Referendum fordern über die Vereinigung mit Irland. Möglich wäre sogar, dass im Nordirland-Konflikt wieder Gewalt ausbricht.

Würden die Schotten mit dem Euro bezahlen?

Das müssten sie eigentlich früher oder später, wenn sie EU-Mitglied werden. Regierungschef Alex Salmond besteht aber darauf, dass Schottland ein Recht auf das britische Pfund hat. Die drei großen Parteien in London – Konservative, Labour und Liberale – haben einmütig erklärt, ihr Pfund nicht mit den Nachbarn teilen zu wollen. Eigene Pfundnoten dürfen drei Banken in Schottland bereits jetzt drucken.

Was passiert mit den britischen Atomwaffen ?

Mit Atomraketen ausgestattete U-Boote liegen in der Mündung des Flusses Clyde, nordwestlich von Glasgow. Sie haben in Schottland nichts zu suchen, findet die Regierung in Edinburgh. Einige Experten halten die Suche nach einem neuen Standort in England oder Wales und einen extrem teuren Umzug zwar für möglich. Andere sehen aber das Ende von Großbritannien als Atommacht heraufziehen.

Wem würde das britischeÖl in der Nordsee gehören?

Zu rund 90 Prozent den Schotten. Sie wollen aus den Steuereinnahmen einen Öl-Fonds speisen, der kommenden Generationen zugutekommen soll.

Und was ist mit Queen Elizabeth II?

Ihre Königin wollen die Schotten nicht loswerden. Das unabhängige Schottland soll eine konstitutionelle Monarchie werden – so wie zum Beispiel Kanada.

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