Wussten Sie, wie krank Dieter Hildebrandt war?

SchneyderJa, aber dass es auf Leben und Tod geht, wusste ich erst seit zwei Tagen. Ich trauere unendlich um einen Freund und guten Kabarett-Kollegen.

Wann haben Sie Dieter Hildebrandt das letzte Mal länger gesprochen?

SchneyderDas war im Frühjahr dieses Jahres in Leipzig.

Und wann sind Sie ihm das erste Mal begegnet?

SchneyderDas weiß ich noch genau: Es war im Spätsommer des Jahres 1973; da haben wir gleich Pläne geschmiedet.

Waren Sie sich denn sofort sympathisch?

SchneyderSagen wir es mal so: Wir waren zunächst vorsichtig zueinander. Aber über die schönen Themen Fußball und Wein sind wir dann gut ins Gespräch gekommen.

Hat Dieter Hildebrandt deutsche Kabarett-Geschichte geschrieben?

SchneyderJa, das hat er gewiss! Er war 16 Jahre lang der Frontmann der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, er hat die „Notizen aus der Provinz“ gestaltet, er hat für den „Scheibenwischer“ vor der Kamera gestanden, er hat acht Jahre lang mit mir ein Duo gebildet, hinzu kommen in den letzten Jahren seine Soloprogramme. Bis zu seiner ernsten Erkrankung war er ja auf der Bühne – das ist schon deutsche Kabarettgeschichte.

Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze – gilt das auch für Kabarettisten?

SchneyderNein, Kabarettisten sind nicht so schnell vergessen, weil deren Texte oft zur Zeitgeschichte gehören, die bleiben. Zudem hat Dieter Hildebrandt etliche Bücher verfasst, und besonders seine Autobiografie muss man loben. Auch die wird bleiben.

Was war das Besondere an Hildebrandts Art, Kabarett zu machen?

SchneyderAuf der einen Seite hatte er immer eine Haltung, eine feste Position, man wusste stets, was er meinte. Auf der anderen Seite war er in der Lage, auch sehr komplizierte Zusammenhänge so zu formulieren, dass jedermann das verstehen konnte. Er hat den Satz, den ich so gern von Oscar Wilde zitiere, vollendet beherrscht und umgesetzt: Wahrheiten müssen zu Akrobaten werden, damit man sie erkennt.

Wie war die Zusammenarbeit mit Hildebrandt?

SchneyderDas ging total leicht und gut! Wir haben uns in der Partnerarbeit unglaublich gut verstanden. Früher oder später konnten wir uns auf der Bühne sogar blind aufeinander verlassen. In den acht Jahren, in denen wir als spöttisches Duo aufgetreten sind, hatten wir nie auch nur einen einzigen Streit!

Ihre Ansichten waren deckungsgleich?

SchneyderPolitisch stimmt das gewiss, bei der Einschätzung von Personen hatten wir schon mal verschiedene Ansichten.