DORTMUND/OLDENBURG - 40 Universitäten bieten ein Schülerstudium an. In Oldenburg startet ein solches Angebot im Wintersemester.

Von Carina Frey

und Thomas Hellmold

DORTMUND/OLDENBURG - Während andere mit ihrer Band proben, Fußball oder Videospiele spielen und sich mit ihren Kumpels treffen, geht Karim Adiprasito an die Universität. Er studiert Mathe, im vierten Semester. Dabei hat er weder Abitur, noch ist er immatrikuliert. Karim besucht die zwölfte Klasse des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Dortmund und Vorlesungen an der Universität der Stadt. Er ist Schüler und Student zugleich. Möglich ist dies durch das so genannte Schülerstudium. Dabei bekommen Schüler an immer mehr Hochschulen die Möglichkeit, neben dem Schulunterricht in den Hochschulhörsaal zu gehen.

In Dortmund gibt es das Schülerstudium seit drei Jahren. So weit ist die Universität Oldenburg noch nicht. Aber sie ist auf einem guten Weg. Im kommenden Wintersemester können dort erstmals hochbegabte Gymnasiasten Veranstaltungen in den naturwissenschaftlichen Fächern besuchen.

Deutschlandweit bieten rund 40 Hochschulen das Schülerstudium an, so die Deutsche Telekom Stiftung, die das Projekt unterstützt. Unter verschiedenen Bedingungen: Während – wie Oldenburg – die TU Dresden und die Universität Frankfurt mit ihrem Angebot gezielt Hochbegabte ansprechen und maximal 30 Schüler pro Semester zulassen, öffnet sich die Universität Hannover allen interessierten Schülern, Auszubildenden, Wehrdienst- und Zivildienstleistenden. „Wir wollen ihnen die Möglichkeit bieten, schon vor dem regulären Studium die Uni kennen zu lernen und dadurch die Abbruchquote zu verringern“, sagt Dieter Lohse von der Uni Hannover.

Die Angebote eint, dass die im Schülerstudium erworbenen Scheine an der jeweiligen Universität später anerkannt werden. Zum Teil akzeptieren auch andere Hochschulen die Leistungsnachweise. Die Schüler müssen sich nicht auf ein Fach festlegen, sondern können in einem Semester beispielsweise Physik und im nächsten Mathematik studieren. „Ein Abbruch des Studiums ist jederzeit problemlos möglich, ohne negative Folgen für den Schüler“, erläutert Szymanski. Denn häufig zeige sich die wirkliche Belastung erst während des Studiums.

Die unterschiedliche Zielrichtung spiegelt sich in der Ausgestaltung des Schülerstudiums wider. Die Uni Hannover legt die meisten Seminare für Juniorstudenten in den späten Nachmittag, damit weder Lehre noch Unterricht betroffen sind, erläutert Lohse. An der Uni Dortmund wiederum fallen viele Vorlesungen und Seminare auf den Vormittag – die Schüler müssen sich für diese Zeit vom Unterricht befreien lassen.

Das Schülerstudium richtet sich in erster Linie an Schüler der Oberstufe. Im Ausnahmefall können sich jedoch auch Schüler der Sekundarstufe bewerben. Den Kontakt zwischen Schüler und Universität vermitteln in der Regel die Schulen. Auch sie verfahren unterschiedlich. „An manchen Schulen sprechen die Lehrer gute Schüler gezielt an“, sagt Christoph Dahlbüdding vom Immanuel-Kant-Gymnasium in Dortmund. Ob jemand am Schülerstudium teilnehmen darf, hänge weniger von den Noten ab, sondern eher von der Belastbarkeit der Schüler.

Die Schüler bewerben sich anschließend bei der Hochschule. „In dem Schreiben muss unter anderem stehen, warum sie bei uns anfangen wollen“, erzählt Lohse. Manche Hochschulen forderten zudem ein Gutachten der Lehrer. Fallen Vorlesungen in die Unterrichtszeit, wird mit dem Fachlehrer besprochen, wie der Stoff nachgeholt wird.

Frühzeitige

Förderung für

begabte Schüler auch ohne

Abitur