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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Wahlen: Der Kümmerer Kretschmer

03.09.2019

Dresden Sachsens CDU-Landesvorsitzender und Ministerpräsident Michael Kretschmer schien zuletzt fast an mehreren Orten gleichzeitig zu sein. Allein 80 Besuche in allen 60 Wahlkreisen in sechs Wochen stehen zu Buche, dazu seine Termine als Ministerpräsident, oft mehr als drei oder vier Einträge im Kalender pro Tag. Der 44-Jährige hat Hände geschüttelt, geredet, zugehört, diskutiert – wie ein guter Landesvater. Der „Bürgerdialog“ und der sogenannte Amtsträgerbonus haben für den Wahlerfolg zwar geholfen, aber das Abschneiden der Christdemokraten fußt aus Expertensicht noch auf anderen Quellen.

Die CDU hat mit 32,1 Prozent zwar ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl im Freistaat eingefahren, das zwischenzeitliche Kopf-an-Kopf-Rennen mit der AfD aber letztlich für sich entschieden.

Auf Person zugeschnitten

„Sie hat klar vom Kretschmer-Bonus profitiert“, sagt der Leipziger Politikwissenschaftler Hendrik Träger. Das direkte Gespräch mit Politikern werde geschätzt. „Die Leute wollen ernst genommen werden, die Zeiten des Wahlkampfs von der großen Bühne herab sind vorbei. Es ist ganz wichtig, dass sie das Gefühl haben, dass nicht nur vor ihnen und über sie, sondern mit ihnen geredet wird.“

Laut Träger kam der Amtsinhaberbonus inklusive öffentlicher Aufmerksamkeit zum Tragen. „Ich denke, auch der Zweikampf CDU-AfD hat die Leute bewogen, für ihren Favoriten zur Urne zu gehen.“ Wie Träger sieht auch Eric Linhart von der TU Chemnitz, dass das stark mobilisiert hat.

Der Leipziger Soziologe Holger Lengfeld sieht im auf Kretschmer zugeschnittenen volksnahen Wahlkampf ein großes Pfund. „Das Tingeln über die Dörfer, von Marktplatz zu Marktplatz, von Versammlungsraum zu Versammlungsraum, könnte dazu geführt haben, dass sich einige der Unzufriedenen entschieden haben, nicht aus Protest AfD zu wählen, sondern, weil sie wertkonservative Bürger sind, für die CDU“, sagte er.

Auch Thomas Thieme, Politik-Professor an der Sächsischen Hochschule der Polizei, schreibt den CDU-Sieg in erster Linie deren Chef zu. Er wirke integrativ, sei in weniger als zwei Jahren glaubwürdig in die Rolle des Landesvaters hineingewachsen und habe bei Anhängern aller Parteien positive Zustimmungswerte.

Innerparteilich gestärkt

Träger sieht gar eine Repolitisierung der Gesellschaft dahingehend, ob man die AfD als stärkste Kraft haben will. „Für viele Wähler ging es darum, die AfD als stärkste Kraft zu verhindern, für andere genau um das Gegenteil: den politischen Eliten in Dresden oder Berlin zu zeigen, wo der Hammer hängt.“

Mit dem Ausgang der Abstimmung und seinem Direktmandat sehen die Politikwissenschaftler Kretschmer innerparteilich gestärkt. Träger mahnt die CDU aber, bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der AfD als Partner zu bleiben.

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