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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Duell verdient seinen Namen

25.09.2009

KIEL Das TV-Duell der beiden Spitzenkandidaten von CDU und SPD, Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und Ralf Stegner, verdiente diesen Namen durchaus. Die gute Nachricht einen Tag danach ist: Es endete ohne körperliche Blessuren. Die schlechte: Die in abgrundtiefer Abneigung einander verbundenen Spitzenpolitiker werden nie mehr zum Wohle ihres Bundeslandes miteinander Politik machen können.

Zu tief sind die rhetorischen Verletzungen, die sie einander zufügten, zu verschieden die Charaktere. Aus heutiger Sicht ist kaum vorstellbar, dass Stegner und Carstensen eine Zeit lang in einer gemeinsamen Regierung zusammenarbeiteten. Schon vor dem Rauswurf der SPD-Minister musste Stegner seinen Sessel als Finanzminister räumen, weil politisch und menschlich nichts mehr ging.

Vorsprung geschmolzen

Der von der CDU herbeigeführte Bruch der Großen Koalition in Schleswig-Holstein erfolgte gerade noch rechtzeitig, um einen Wahlgang am Tag der Bundestagswahl zu ermöglichen. Ob die Rechnung wie erhofft aufgeht, am kommenden Sonntag vom bundesweiten Trend zu profitieren, muss sich erst erweisen. Der lange Zeit gemessene Vorsprung von Schwarz/Gelb schmolz in den letzten Wochen langsam zusammen. So kann eintreten, was auch im Bund nicht mehr ausgeschlossen ist: Die Überhangmandate könnten an der Kieler Förde den Ausschlag geben – oder es gibt erneut die Große Koalition. Dann aber ohne Carstensen und Stegner. Der eine würde in den Ruhestand gehen, der andere nach Berlin.

Herausforderer Ralf Stegner, auf der Beliebtheitsskala lange Zeit unterhalb der Messgrenze, hat an seinem Image gearbeitet. Die obligatorische Fliege zum Sakko bleibt seit Wochen im Schrank, er sucht die Nähe zu den Wählerinnen und Wählern. In einer Reihe gut besuchter SPD-Talkshows unter dem zweideutigen Titel „Stegner trifft . . .“ suchte er den Dialog mit geladenen Gesprächspartnern und den Zuhörern. Im Kultlokal „Zum alten Reporter“ in Norderstedt nahm der grüne Spitzenkandidat Robert Habeck neben ihm Platz. Stegner will das als Signal verstanden wissen, schließlich möchte er die Grünen nach der Wahl an seiner Seite wissen. Doch ohne mindestens einen weiteren Partner wird es kaum zur Mehrheit reichen. Deshalb war es aus seiner Sicht ein Fehler von Andrea Ypsilanti, eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit den Linken auszuschließen. Nicht nur in Kiel gehen politische Beobachter fest davon aus, dass Stegner eine rot-rot-grüne Koalition bilden würde und dies womöglich

unter Beteiligung der im SSW vertretenen dänischen Minderheit. Die muss keine 5-Prozent-Hürde überspringen, wird aber derzeit auf über fünf Prozent taxiert.

Der amtierende Ministerpräsident weiß um diese Überlegungen. Aber er vertraut seinen Landsleuten, die, sturmerprobt und erdverwachsen, politischen Experimenten eher ablehnend gegenüberstehen. Carstensen gilt als volkstümlich, seine Gegner verspotten ihn als Schmusebär. Während Stegner auf Plakaten und Bildschirmen meist griesgrämig rüberkommt, lächelt Carstensen Probleme von der Bühne. Aber die Krise der Landesbank ist seine Achillesferse. Er will am Vorstandsvorsitzenden festhalten, Stegner kündigt an, diesen sofort entlassen zu wollen. Den Pannenmeiler Krümmel wollen beide abschalten, die rechtliche Grundlage fehlt.

FDP möglicher Nutznießer

Nutznießer der großen Fehde zwischen CDU und SPD hoffen die Liberalen zu sein. Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki will die FDP in die Regierung bringen, selbst aber Fraktionsvorsitzender bleiben. Kubicki, nicht unumstritten in der Vergangenheit in Affären verwickelt, gilt als großer Redner und begnadeter Strippenzieher. Eine Jamaika-Koalition lehnt er ebenso wenig rundheraus ab wie es die Grünen im Lande tun.

Deren Spitzenkandidaten Monika Heinold und Robert Habeck gelten als gemäßigt. Zu Habeck hat Carstensen genauso gute Kontakte wie Stegner. Nicht auszuschließen, dass weder FDP noch die Grünen das Zünglein an der Waage sein werden, sondern der SSW. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte Schleswig-Holsteins.

Lars Reckermann Chefredakteur / Chefredaktion
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