Köln - „Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen.“ Dies twitterte die Kölner Polizei in der Silvesternacht kurz nach 23 Uhr. Im neuen Jahr muss sie sich nun gegen Kritik wehren – auch wegen dieses Tweets. Wichtige Fragen und Antworten im Überblick.
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Was passierte in der Kölner Silvesternacht |
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Massenhafte Übergriffe wie vor einem Jahr gab es nicht. Damals hatten enthemmte Männergruppen am Hauptbahnhof Frauen eingekesselt, sexuell angegriffen und beraubt. Viele Beschuldigte waren Nordafrikaner und Flüchtlinge aus dem arabischen Raum. Als Reaktion schickte die Kölner Polizei ein Jahr später ein riesiges Polizeiaufgebot in den Einsatz, vor allem der Hauptbahnhof wurde überwacht. Am späten Samstagabend trafen dort nach Angaben der Polizei „mehrere Hundert Nordafrikaner“ ein, die als alkoholisiert und aggressiv auffielen. Sie wurden festgehalten, ihre Papiere kontrolliert.
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Was bedeutet der Begriff „Nafri“ |
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Das Wort stammt aus dem Sprachgebrauch der Polizei. Eine trennscharfe Definition gibt es aber nicht. In der Vergangenheit wurde der Begriff von der Kölner Polizei meist verwendet, um „nordafrikanische Intensivtäter“ zu beschreiben. Die „sogenannte Nafri-Szene“ gehöre zu den Gruppen, die der Polizei Sorgen machten, sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies etwa im Dezember. Die Deutsche Bundespolizeigewerkschaft beschreibt das Wort ebenfalls als „eine Abkürzung für nordafrikanische Intensivtäter“. Rassistisch sei es nicht gemeint. Davon abweichend ist allerdings auch eine Definition im Umlauf, wonach das Wort allein eine ethnische Zugehörigkeit beschreiben soll – also Nordafrikaner, unabhängig von einer möglichen Straffälligkeit. In diese Richtung wird etwa ein Polizeisprecher bei „Spiegel Online“ zitiert.
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Der Begriff ist also schon länger im Umlauf |
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Ja. Die Kölner Polizei befasst sich schon seit langer Zeit mit Tätergruppen aus Nordafrika und gebraucht dabei dieses Wort. In einem internen Schreiben, das vor der Silvesternacht 2015 – die letztlich in Chaos und Gewalt endete – verschickt wurde, heißt es etwa, es habe in den vergangenen Jahren bereits vermehrt Taschendiebstähle gegeben. „Dies dürfte maßgeblich auf die Täterklientel NAFRI zurückzuführen sein, die die günstigen Tatgelegenheitsstrukturen nutzen.“ In der Stadt gibt es zudem ein eigenes Hilfsprogramm für straffällig gewordene Jugendliche aus Nordafrika. Auch die lokalen Medien benutzen den Begriff „Nafri“ bereits seit Monaten.
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Was sagte die Kölner Polizei zu dem Tweet |
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Polizeipräsident Mathies spricht von einem „internen Arbeitsbegriff“. Eine Häufung an Straftaten von Personen aus dem nordafrikanischen Raum lasse sich nicht bestreiten – dafür müsse man dann intern auch einen Begriff finden. Die Verwendung in dem nächtlichen Tweet bedauert er. „Den Begriff finde ich sehr unglücklich verwendet hier in der Situation“, sagte er am Montag dem WDR. „Das bedauere ich außerordentlich.“
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Worauf zielt die Kritik an der Polizei im Kern |
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Sofern man „Nafri“ mit Straftäter übersetzt, lässt sich der Tweet der Polizei als Vorverurteilung begreifen. Er halte ihn auch für in hohem Maße „entmenschlichend“, sagt etwa SPD-Politiker Christopher Lauer. Der Gebrauch von herabwürdigenden Gruppenbezeichnungen wie diesem für Nordafrikaner durch staatliche Organe wie die Polizei sei völlig inakzeptabel, kritisiert Grünen-Chefin Simone Peter.
