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Eine Formel revolutioniert die Weltgeschichte

DIERK STROTHMANN

Berlin

– In der Welt der Wissenschaft herrschen normalerweise Missgunst und Neid, und neue Erkenntnisse haben es meist schwer, sich durchzusetzen. Vor allem, wenn sie aus der Feder von Leuten stammten, die niemand kennt. Im Fall von Albert Einstein war das anders. Er hatte allerdings auch Hilfe.

Der große Max Planck interessierte sich nämlich schon bald für die Relativitätstheorie, und ihm gelang es, seine Kollegen von ihrer Richtigkeit zu überzeugen. 1909, nur vier Jahre nach der Veröffentlichung, war der 30-jährige Albert Einstein der Star eines Kongresses der Deutschen Naturforscher und Ärzte, und sein Vortrag „Über die Entwicklung unserer Anschauungen über das Wesen und die Konstitution der Strahlung“ brachte den endgültigen Durchbruch. Er gehörte zur Crème de la Crème der deutschen Wissenschaft.

Finanziell schlug sich das noch nicht nieder, so dass er hin und wieder zu seiner Frau Mileva sagte: „In meiner Relativitätstheorie bringe ich an jeder Stelle des Raumes eine Uhr an; aber in meiner Wohnung fällt es mir schwer, auch nur eine einzige aufzustellen.“

Es sollte nur ein paar Jahrzehnte dauern, bis aus der harmlos aussehenden Formel E = mc² eine der größten Chancen, aber auch der gefährlichsten Bedrohungen der Menschheit wachsen sollte: Die Nutzung der Atomkraft. Einsteins Erkenntnis, dass die klassischen Regeln der Physik nicht für Körper gelten, die sich sehr schnell bewegen, hatte alle Türen geöffnet.

Im August 1939 regte der überzeugte Pazifist Einstein in einem Brief an den amerikanischen Präsidenten Franklin Delano Roosevelt sogar den Bau von Atombomben an, getrieben von einer panischen Angst vor den Nationalsozialisten. Nach dem Abwurf der Bombe auf Hiroshima am 6. August 1945, von der er aus dem Radio erfuhr, ruderte Einstein allerdings zurück und warnte nunmehr eingehend vor einer weiteren militärischen Nutzung der Atomkraft.

Am 9. Juli 1955 gehörte Albert Einstein neben dem britischen Philosophen Bertrand Russel, seinem Kollegen Max Born und dem amerikanischen Nobelpreisträger Linus Pauling zu den Unterzeichnern des so genannten „Russell-Einstein-Manifests“.

Darin appellierten die Wissenschaftler vor allem an die Politiker der Welt, keinen neuen Weltkrieg zu beginnen, der sicher auch zum Einsatz von Atomwaffen führen und die Menschheit vernichten würde. Sie forderten den Abbau der Waffenarsenale und praktisch die Abschaffung von Kriegen. „Wenn wir wollen“, so heißt es in dem Manifest, „dann liegt eine Zukunft vor uns in Glück, Wissen und Weisheit. Sollen wir stattdessen den Tod wählen, nur, weil wir unsere Streitigkeiten nicht vergessen können? Wir appellieren von Mensch zu Mensch: Erinnere dich an deine Menschlichkeit und vergiss alles andere. Wenn du das kannst, dann ist der Weg frei in ein neues Paradies, wenn nicht, dann wählst du das Ende allen Lebens.“

Albert Einstein hatte die Büchse der Pandora geöffnet, aus der alles Übel dieser Welt entwich. Natürlich war das nicht seine Absicht und wie es scheint, ist die Gefahr für die Menschheit durch einen atomaren Weltkrieg vernichtet zu werden, in den letzten Jahren nach dem Ende des Ost-West-Gegensatzes eher gesunken als gestiegen. Aber nach wie vor ist die atomare Bedrohung da, immer noch gibt es genügend Waffen, um alle Menschen und alle Lebewesen dieser Welt zu töten.

Aber Albert Einstein hat auch die Tür aufgestoßen zu ganz neuen Möglichkeiten der friedlichen Nutzung seiner Gedanken, von denen die Menschheit nur profitieren kann.

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