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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

BUCHMESSE: Eine Frau schwimmt gegen den Strom

12.10.2007

FRANKFURT /MAIN Sie schwimmt gegen den Strom. Das zeigt schon ihre inzwischen gut grau melierte Mephisto-Kurzhaarfrisur, die ihr Mann in Moskau entworfen hat. Einmal pro Woche bringt er auch heute noch alles wieder in Form.

Jetzt sitzt die Ex-Korrespondentin am Stand des Herbig Verlags und verteidigt ihr Buch. Denn im 254-Seiten-Werk „Was passiert in Russland?“ sieht sie den östlichen Staat ganz anders als andere. Das bedeutet: Wir sehen im Westen alles radikal falsch. Und die 56-Jährige guckt dabei ruhig durch ihre feine Brille.

Ein Beispiel für unsere Vorurteile? „Wie reagieren Sie, wenn Sie auf einer Party einem superreichen jungen Amerikaner begegnen? Und was denken Sie, wenn Sie auf einer Party einen superreichen jungen Russen sehen?“

Da nickt man unwillkürlich: Der Ami ist gut, der Russe garantiert von der Mafia.

„Das sind zementierte Feindbilder!“, schimpft die Autorin und mehrfache Grimme-Preisträgerin, die lange beim WDR war, dann bei „Monitor“ arbeitete, von 1987 bis 1991 als erste Moskau-Korrespondentin in einer spannenden Phase aus Russland für die ARD berichtete, später den „Kulturweltspiegel“ moderierte.

Viele deutsche Medien würden Russland nach wie vor holzschnittartig sehen: pro Putin oder kontra Putin. „Dazwischen gibt es nichts.“ Und Kasparow sei doch im Grunde nur gut, weil er gegen Putin sei.

Kein Zweifel: Das Feuer der engagierten, recherchierenden, aufklärerischen Journalistin brennt weiter in Gabriele Krone-Schmalz. Obwohl sie sich inzwischen auf Vorträge konzentriert und Bücher verfässt.

„Es wird Zeit“, dass wir anders auf Russland blicken, betont sie nochmals. Sie will da ein bisschen schubsen, die Welt sei nicht so einfach, wie manche dächten. Man müsse auch über Russland mal neutral berichten.

Eigentlich hatte sie sich vorgenommen, schön in ihrer Hotelanlage „Villa Fortuna“ an der Costa Blanca zu bleiben, kein Buch mehr zu schreiben. Schon gar nicht über Russland.

Dann ärgerte sie sich: „Nach Gorbatschow ging der Respekt gegenüber Russland verloren.“ In unseren Köpfen, meint sie, würden wir mit zweierlei Maß messen: „Wenn das modernste Terminal am Pariser Flughafen Charles de Gaulle einstürzt, wie 2004 geschehen, dann wird neutral berichtet. Wenn in Moskau im Winter eine Schwimmhalle einstürzt, dann ist sofort von Schlamperei oder Korruption die Rede.“ Dazu nickt sie heftig.

Ihr neues politisches Buch ist ein Argumentenfüllhorn dafür, endlich die Blickrichtung zu ändern: „Bisher denkt doch fast jeder in Deutschland: Ganz gleich, was die Russen machen, sie machen es falsch!“

Gabriel Krone-Schmalz mag sich etwas zurückgezogen haben. Ruhe gibt diese Frau aber noch lange nicht.

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