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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Eine kurze Karriere voller großer Schlagzeilen

09.03.2011

BREMEN Niels Stolberg war stets ein Mann der großen Schlagzeilen. Vornehme hanseatische Zurückhaltung war dem Gründer der Beluga-Reederei fremd. Zwar rümpfte so manch traditionsbewusster Reeder die Nase, wenn der gebürtige Braker mal wieder mit seiner Meinung aneckte – etwa als er Frauen zum Bremer Schaffermahl zulassen wollte oder den Inselfrieden auf Spiekeroog mit seinem Einstieg ins Tourismusgeschäft störte. Doch eigentlich war man in der Hansestadt stolz auf den 50-jährigen Macher, der mit innovativen Ideen seine Branche aufmischte.

Binnen 15 Jahren baute der Kapitän und Diplom-Wirtschaftsingenieur den Weltmarktführer im Bereich Schwergutfracht auf. Angefangen mit einem einzigen Schiff fuhren zuletzt 72 Frachter für seine Beluga-Group über die Weltmeere.

Neuen, gerne auch schlagzeilenträchtigen Ideen war Stolberg stets aufgeschlossen. Vor drei Jahren fuhr erstmals weltweit einer seiner Schwergutfrachter mit Zugdrachen über die Meere. Eva Luise Köhler, Frau des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler, hatte den umgerüsteten Frachter zuvor medienwirksam in Hamburg getauft. Die Firma Sky-Sails hatte das Antriebssystem entwickelt. Der 50-Jährige war, allen skeptischen Bemerkungen in der Branche zum Trotz, überzeugt von einer Treibstoffersparnis von 10 bis 15 Prozent.

Fast ebenso viel Aufsehen erregte Stolberg im Sommer 2009. Im zweiten Versuch war es zweien seiner Frachter gelungen, als erste nicht-russische Handelsschiffe die berühmte Nordostpassage entlang der sibirischen Küste zu passieren. „Wir sind alle stolz und glücklich, als erste westliche Reederei die legendäre Nordostpassage erfolgreich durchquert zu haben“, sagte Stolberg damals.

Halbe Sachen waren nicht Stolbergs Sache. Er machte Beluga zur größten Ausbildungsreederei, gründete die „Beluga See Academy“, um dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen oder finanzierte Stiftungsprofessuren in Elsfleth und Bremen. Zudem engagierte er sich in Dutzenden sozialen, kulturellen und sportlichen Projekten. Beluga und Stolberg – das schien eine nicht endende Erfolgsgeschichte zu sein.

Erst in den vergangenen Monaten häuften sich die negativen Schlagzeilen. Mehrmals wurden Beluga-Frachter von Piraten gekapert, zuletzt kamen auf der „Beluga Nomination“ drei Seeleute ums Leben. Stolberg fordert die Bundesregierung auf, die Maßnahmen zum Schutz der Handelsschiffe zu stärken. Kritiker wiesen darauf hin, dass kaum einer seiner Frachter unter deutscher Flagge fahre.

Auch den Einstieg des aggressiven US-Finanzinvestors Oaktree im vergangenen Jahr nahm mancher in der Branche mit Verwunderung auf. Ungehemmter Expansionsdrang oder doch finanzielle Schwierigkeiten?

Die Entmachtung Stolbergs und die Übernahme des Managements durch Oaktree lassen auf Letzteres schließen. Die nun erhobenen Vorwürfe sind gravierend: Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelt wegen schweren Betrugs gegen Stolberg. Sollte es zu einem Verfahren kommen, droht eine lange Haftstrafe. Ein wohl einmaliger Vorgang in der deutschen Schifffahrtsbranche. Niels Stolberg sorgt für große Schlagzeilen – bis zum Schluss.

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