Salzburg - In ihren Anfangsjahren manchmal als „Modeverkäuferin“ verspottet, ist Helga Rabl-Stadler heute die „Grande Dame“ der Salzburger Festspiele. Auf öffentlicher Bühne stets diplomatisch, gefasst, charmant, wird die 65-Jährige hinter den Kulissen als knallharte Verhandlerin und Machtmensch beschrieben. Eine Verlängerung ihres Postens als Festival-Präsidentin, den sie seit 1995 innehat, über 2014 hinaus gilt als sicher. Sie sei tatsächlich fast schon so etwas wie eine Institution, schreibt die österreichische Nachrichtenagentur APA.
„Die Leute fragen immer, was ist Ihr Verhältnis zur Macht? Soll ich dann als Frau sagen: „Nein, ich will keine Macht, Macht ist so böse? Man braucht Macht, sonst kann man nicht gestalten“, sagt die gebürtige Salzburgerin.
Die meisten Frauen trauten sich zu wenig zu, und die Netzwerke der Männer seien immer noch stärker. Deshalb findet die ehemalige Abgeordnete der konservativen ÖVP entgegen der Parteilinie eine Frauenquote gar nicht so schlecht: „Angesichts der Langsamkeit des Änderns nähere ich mich schon der Idee.“
Selbst hat es die resolute Karrierefrau gleich durch mehrere gläserne Decken geschafft: Nach abgeschlossenem Jurastudium wird die Tochter von Ex-ORF-Chef Gerd Bacher und einer Salzburger Geschäftsfrau Anfang der 1970er Jahre erste weibliche Innenpolitik-Kolumnistin der Zeitung „Kurier“. Dann kehrt sie aber nach Salzburg zurück, um ihre Mutter bei der Führung eines Modehauses zu unterstützen. In den 1980ern sitzt Rabl-Stadler für die ÖVP im Bundesparlament, kümmert sich um Wirtschaftsthemen. 1988 wird die zweifache Mutter als erste Frau zur Präsidentin der Salzburger Wirtschaftskammer gewählt.
1995 kommen dann die Festspiele: „Außer dem Amt des Bundespräsidenten gibt es kein Amt, das ich lieber antreten würde“, sagte sie damals. Agierten vorangegangene Präsidenten eher im Schatten, sichert sie – unter anderem mit der Gewinnung wichtiger Sponsoren – schnell die Bedeutung ihres Postens. Großes Interesse am Neuen, Freude am Lernen und Entscheidungsfreudigkeit nennt sie als ihr Erfolgsrezept. Heute ist Rabl-Stadler im In- und Ausland das Gesicht des renommierten Festivals.
Dabei muss sie auch immer wieder Wogen glätten – wie zuletzt im Streit mit Intendant Alexander Pereira ums Budget und seinen Abgang nach Mailand: „Leider findet Theater nicht nur auf der Bühne statt, sondern auch neben und hinter der Bühne mit vielen Laienschauspielern.“
Grund dafür, dass es in Salzburg immer wieder zu öffentlich ausgetragenen Streitereien kommt, sei wohl „das große Ego aller handelnden Personen.“ Sich selbst schließt sie nicht aus.
