EMSTEK - „Ein bisschen unsicher waren wir schon“, sagt Manfred Carstens (CDU). „Die für März geplanten Neuwahlen waren noch längst nicht gewonnen“, erinnert sich der Bundestagabgeordnete aus Emstek an die entscheidenden Stunden vor 25 Jahren, als sich Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) mit der Vertrauensfrage an das Parlament wandte.

Dass die Unions-Mitglieder sich enthalten mussten – obwohl man doch volles Vertrauen in Kohl setzte –, um den Weg „für ein Volksvotum“ (Carstens) frei zu machen, bereitete der CDU/CSU-Fraktion „keine Probleme“. Carstens: „Obwohl wir eine Mehrheit zusammen mit den Liberalen hatten, wollten wir ja, dass die neue Regierung auch durch den Wähler bestätigt wird.“

Weit sei das Gefühl verbreitet gewesen, so der Niedersachse, dass die damalige „Wende“ auch von der Zustimmung der Bürger getragen werden sollte.

Während die Union „selbstbewusst und zuversichtlich“ in den Wahlkampf zog (Carstens: „Nicht zuletzt wegen Finanzminister Gerhard Stoltenberg, der bei den Menschen einen wirklich soliden Eindruck gegenüber den Vorgängern im Amt machte“), waren die Wochen zur Jahreswende für die FDP eine wahre „Zerreißprobe“. Rücktritte, der SPD-Vorwurf des „Verrats“ und des „Wortbruchs“ machten den Liberalen in dieser Zeit schwer zu schaffen. „Es ging um das nackte Überleben für die FDP“, blickt der CDU-Politiker Carstens zurück.

Die Union dagegen stand „geschlossen hinter Kohl und Stoltenberg“, betont der spätere Finanz-Staatssekretär, der von einer bayerischen Zeitung irrtümlich schon früh und exklusiv als Staatssekretär auf der Hardthöhe ausgerufen wurde. Das Dementi hatte das Blatt dann aber auch ebenso exklusiv im Blatt.

„Der einzige Leidtragende“ der hektischen Monate vor 25 Jahren „war Alfred Dregger in Hessen“, erzählt Carstens. Ein eigentlich sicherer Sieg bei der Landtagswahl im September wurde Dregger durch die Attacken der SPD gegen die FDP noch auf den letzten Metern aus den Händen gerissen. Carstens: „Dreggers Traum vom Amt des Ministerpräsidenten war damit geplatzt.“

Trotz aller Emotionen blieb das Verhältnis zu den SPD-Abgeordneten im Bundestag merkwürdig entspannt. „Wir machten unsere Arbeit im Ausschuss einfach weiter“, betont der damalige haushaltspolitische Sprecher der Unions-Fraktion. Einen Unterschied gab es allerdings: „Die Entscheidungen fielen jetzt natürlich unter anderen Vorzeichen!“