Hannover - Den Kirchen rennen die Gläubigen davon, ihr Einfluss schwindet, und ihre Rolle in der Gesellschaft wird infrage gestellt – angesichts dieser Krise hatten sich Protestanten und Katholiken von Benedikt XVI. ein Bemühen um mehr Miteinander erhofft. Spätestens beim Deutschlandbesuch des scheidenden Papstes 2011 wurden sie enttäuscht. Er habe kein „ökumenisches Gastgeschenk“, der Ruf nach konkreten Schritten sei ein „Missverständnis“. 2007 hatte er den Protestanten bereits den Status als „Kirche im eigentlichen Sinn“ abgesprochen und Empörung geerntet.
Abseits solcher Enttäuschungen betonen viele Kirchenexperten in Deutschland eine weitreichende Einigkeit, die beide Kirchen inzwischen erzielt hätten. Dennoch drängt die Frage, wie es mit der Ökumene weitergeht, wenn ein neuer Papst antritt – womöglich aus einem anderen Erdteil. Wird der deutsche Ruf nach einem gemeinsamen Abendmahl oder der Umgang mit Geschiedenen da noch eine Rolle spielen?
„Jeder Papst wird neue Akzente setzen und Anschübe geben“, ist sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sicher. „Wenn ein Papst aus Afrika oder Südamerika gewählt wird, dann müssen wir dem zunächst die besondere Situation in Deutschland erklären.“ Papst Benedikt XVI. seien die Sorgen und Nöte natürlich bestens bekanntgewesen.
„Für einen Papst aus Asien oder Afrika ist die Frage, was sich in der Ökumene in Mitteleuropa bewegt, interessant, für ihn gibt es da aber keinen Leidensdruck“, erklärt der Ökumene-Experte der evangelischen Kirche, der Braunschweiger Bischof Friedrich Weber. Entscheidend sei nicht allein das Wort des Papstes, sondern die Arbeit der Gremien im Vatikan, die bereits vieles bei der Ökumene geklärt hätten. Bei der Umsetzung hapere es noch. „Der Vatikan ist da nicht unbedingt der große Bremser“, meinte Weber. Die Deutsche Bischofskonferenz nutze die Möglichkeiten, die sie auf nationaler Ebene habe, unzureichend, kritisierte er.
Bereits jetzt betrachte der Vatikan die Ökumene eher durch eine weltpolitische Brille, meint ein Ökumene-Experte im Bistum Paderborn. Der römische Blick sei umfassender und nicht alleine auf deutsche Befindlichkeiten orientiert. Im Jahr 2017 feiert die evangelische Kirche das Jubiläum 500 Jahre Reformation. Die Hoffnung vieler: Vielleicht lässt sich ein Teil der Kirchenspaltung überwinden.
