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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Strategien In Der Corona-Krise: Der Grenzfall zwischen Bayern und Thüringen

02.06.2020

Erfurt /München Schweres Geschütz: „Ich möchte nicht, dass Bayern noch mal infiziert wird durch eine unvorsichtige Politik, die in Thüringen gemacht wird.“ Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) passen die Lockerungsübungen seines thüringischen Amtskollegen Bodo Ramelow (Linke) in der Corona-Krise überhaupt nicht. Und der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) drohte dem ostdeutschen Nachbarn gar mit Gegenmaßnahmen. „Wir werden sicher nicht tatenlos zusehen, wie Ramelow große Erfolge im Kampf gegen das hochgefährliche Coronavirus sorglos zunichte macht.“

Unterschiedliche Zahlen

Nur politisches Kampfgetümmel oder steckt mehr dahinter – wegen Unterschieden beim Infektionsgeschehen in Ost und West? Im Westen Deutschlands gibt es einige Tausend Todesfälle, in Ostdeutschland einige Hundert – allerdings bei deutlich weniger Einwohnern. Das Statistische Landesamt in Thüringen hat die Zahl der Corona-Infektionen der Länder pro 100 000 Einwohner berechnet. Und da liegen die Werte in den ostdeutschen Bundesländern durchgängig unter denen der westdeutschen – mit Ausnahme von Schleswig-Holstein.

Thüringen kam beispielsweise mit Stand 25. Mai, als Ramelow den weitgehenden Ausstieg aus den allgemeinen Corona-Beschränkungen gegen bundesweite Kritik verteidigte, auf 134 Infizierte seit Beginn der Pandemie pro 100 000 Einwohner, Sachsen sowie Brandenburg kamen auf jeweils 128 Infizierte. Mit Abstand die niedrigsten Werte verzeichneten Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit 47 beziehungsweise 77 Infizierten. In Bayern waren es danach hingegen 354, und in Nordrhein-Westfalen 208 Infizierte pro 100 000 Einwohner.

Weniger laut als Thüringen haben zuletzt fast alle ostdeutschen Ministpräsidenten weitreichende Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Aussicht gestellt. Auch bei Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) war von Geboten anstelle von Verboten die Rede.

Notiz im Protokoll

Möglicherweise geht Ramelow aber etwas weiter – er ließ sich per Protokollnotiz bei den von Bund und Ländern verhandelten Kontaktbeschränkungen einen Sonderweg offen. Fast trotzig sagte er: „Weil ich kein Stück zurückrudere.“ „Staatliche Verordnungen sind Noteingriffe“, die nur berechtigt seien, wenn das Infektionsgeschehen das erfordere. „Diese Begründungspflicht liegt bei uns“, so Ramelow.

Aber warum ist die Situation im Osten anders als im Westen? Fachleute nennen mehrere Gründe: Die vergleichsweise niedrige Bevölkerungsdichte oder einen relativ hohen Anteil älterer Menschen – in Thüringen ist etwa jeder Dritte 60 Jahre und älter. Diese Menschen gehören zwar zur Risikogruppe, aber sie gelten als weniger mobil und könnten entschleunigend bei der Virus-Ausbreitung gewirkt haben, lautet eine Erklärung des Bremer Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie.

Und wahrscheinlich haben weniger Ostdeutsche in Skigebieten wie Ischgl in Österreich Urlaub gemacht und das Virus eingeschleppt. Als die Beschränkungen in Deutschland begannen, gab es zwischen Ostsee und Thüringer Wald erst verhältnismäßig wenige Infektionen. Die Corona-Prävention wirkte damit in einer frühen Phase, glauben Experten.

Ob sich Ramelow, dessen Corona-Alleingang auch in seiner rot-rot-grünen Koalition in Erfurt für Irritationen sorgt, durchsetzen kann, werden die nächsten Tage zeigen. An diesem Dienstag will sich das Kabinett mit den Vorschlägen des Regierungschefs befassen, nach denen nur noch das Abstandsgebot und die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln bliebe. Zudem soll ein Grenzwert von 35 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner pro Woche gelten – ist er erreicht, gibt es regionale Beschränkungen.

Ausbrüche an Grenze

Ein Problem für Ramelow bleibt der Kreis Sonneberg direkt an der Grenze zu Bayern, auf den auch Söder schaut. Dort gibt es nach wie vor Corona-Ausbrüche – zuletzt vor Pfingsten in einem Pflegeheim mit hochbetagten Bewohnern.

Sollte sich Ramelow trotzdem durchsetzen, könnte er als Öffner in der Corona-Krise gelten, während Söder vor allem mit seinem restriktiven Kurs gepunktet hat. Dabei sind die Erfolge Söders gar nicht so eindeutig. Mit Rosenheim, Regensburg und dem Landkreis Coburg liefert Bayern seit Wochen den jeweiligen bundesweiten Spitzenreiter bei den wöchentlichen Neuansteckungen im Verhältnis zur Bevölkerung. In Thüringen waren es tagelang die Kreise Greiz und Sonneberg.

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