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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

BIOGAS: Erneuerbare Energie entzweit Landvolk

15.10.2007

CLOPPENBURG /BERLIN Es dauert nicht mehr lange und im Kreis Cloppenburg wird die 100. Biogasanlage ihre Produktion beginnen. Ein Drittel der gesamten Ackerflächen wird dann allein für den Gärsubstratanbau – in der Regel Mais – benötigt; für die nächsten 20 Jahre ist damit eine andere Nutzung ausgeschlossen. Das ärgert nicht nur fast alle anderen Bauern, sondern zunehmend auch die Investoren, denn die Getreide- und die Pachtpreise steigen in Höhen, die die Bioenergieerzeugung unwirtschaftlich machen.

Die Förderung aber vor allem die Folgen des enormen Anstiegs der Biogasproduktion in der Landwirtschaft spalten das Landvolk nicht nur im Kreis Cloppenburg. „Wir wollen keine Cloppenburger Verhältnisse“, meint etwa Vechtas Kreislandwirt Norbert Meyer. Der Satz wurde zur Vorgabe für die Genehmigungspraxis und die Entscheidungen der Räte, die sich bei Ausbauplänen sperren.

Während im Kreis Vechta gerade einmal zehn Megawatt (MW) installierte Leistung mittels Biogas erzeugt wird, sieht das andernorts völlig anders aus. 90 Prozent der Gesamtkapazität in der EU wird in Deutschland durch 3500 Biogasanlagen erzeugt; 800 sind es in Niedersachsen, die meisten im Weser-Ems-Raum. Mehr als 40 MW werden erzeugt in den Kreisen Emsland, Rotenburg-Wümme, aber vor allem in Soltau-Fallingbostel und Cloppenburg. Allein in der Stadt Friesoythe stehen mittlerweile 40 Biogasanlagen.

Als zusätzliche Einkommensquelle stand der Deutsche Bauernverband der Förderung anfangs positiv gegenüber. Jetzt sagt aber dessen Präsident Gerd Sonnleitner einschränkend: „Die Erzeugung von Nahrungsmitteln ist unsere erste und wichtigste Aufgabe.“

In vieharmen Regionen könnten Biogasanlagen eine Einkommensalternative für Landwirte darstellen. „Dort gibt es keine Konkurrenz mit den Schweinehaltern um die Fläche“, meint Detlef Breuer, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) mit Sitz in Damme (Kreis Vechta). In den Veredlungsgebieten hingegen seien Konflikte programmiert. Auch Hans-Wilhelm Windhorst vom Institut für Strukturforschung an der Uni Vechta warnt davor, den Flächenbedarf zu unterschätzen. „Sogar für die reduzierten Ziele des Umweltministers wären zwei Drittel der Ackerflächen in Deutschland nötig.“

Breuer und Windhorst befürchten eine Reduzierung der Anbauflächen für Brot- und Futtergetreide und daraus resultierend eine Erhöhung der Produktionskosten in der tierischen Produktion. „Die Futterkosten für ein Mastschwein sind im Vergleich zum Vorjahr schon jetzt knapp 21 Cent pro Kilogramm Schlachtgewicht gestiegen“, erklärt Breuer. Das liegt 43 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Bioenergieerzeugung werde durch Rodung der tropischen Regenwälder, Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten, Bodenverdichtung und Grundwassergefährdung auch viele ökologische

Probleme hervorrufen, ergänzt Windhorst.

Vor allen Dingen führt der Ausbau der Biogasanlagen in den Zentren der tierischen Veredelungswirtschaft zu einem „Kampf um die Fläche“. Höhere Land- und Pachtpreise sind die Folge. „Anlagen in Veredelungsregionen müssten im Zuge der Raumordnung untersagt werden dürfen“, meint der FDP-Bundestagsabgeordnete Michael Goldmann aus Aschenstedt (Kreis Emsland). Die Rohstoffkonkurrenz habe für die Tierhaltung sowie die verarbeitende Industrie durch die Verknappung von landwirtschaftlichen Nutzflächen und Rohstoffen unmittelbar negative Folgen, so der Liberale

Hoffnung keimt für manche Landwirte in der durch höhere Getreidepreise gefährdeten Rentabilität der Biogasanlagen. Düstere Prognosen erstaunen angesichts der hohen Wachstumsraten. Das Leipziger Institut für Energetik und Umwelt hat errechnet, dass Biogasanlagen ungefähr eine Leistung von 600 bis 700 KW erbringen müssen, um rentabel zu sein. Der Durchschnitt liegt bei 350 KW, eine bäuerliche Anlage darf 500 KW nicht überschreiten. Ohne Kraft-Wärmekopplung rechne sich kaum noch eine Anlage.

Ein Drittel der Biogasanlagen im Kreis Cloppenburg sei schon heute nicht mehr wirtschaftlich, meinen Vertreter des Kreislandvolks. Einigen Bauern wurden durch hohe Getreide- und Pachtpreise gute Geschäfte beschert, während der Großteil der 3400 Landwirte im Kreis Cloppenburg durch diese höheren Preise jetzt bei der Schweine- oder Geflügelproduktion belastet wird. „Wir dürfen den Ast nicht absägen, auf dem wir sitzen“, meint Cloppenburgs Kreislandwirt und CDU-Bundestagsabgeordnete Franz-Josef Holzenkamp.

Clemens große Macke, Agrar-Arbeitskreis-Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, sagt es drastischer: „Biogas darf die Veredelung nicht fressen.“

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