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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Jahres-Synode: Über Frieden in der Gesellschaft

11.11.2019

Frankfurt A. M. Besser hätte man es nicht planen können: Die Friedens-Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) findet 30 Jahre nach der friedlichen Revolution rund um den 9. November in Dresden statt. Die Jahrestagung steht noch dazu unter dem Leitwort der biblischen Jahreslosung aus Psalm 34: „Suche Frieden und jage ihm nach“. „Es hat sich so gefügt“, sagt Renke Brahms, EKD-Friedensbeauftragter. Die Synode in Dresden dauert noch bis zum 13. November.

Frieden ist seit jeher ein Thema des christlichen Glaubens, und die Kirche hat es sich zur Aufgabe gemacht, für Frieden einzutreten, wo immer sie kann. Aber Friede bleibt auch Utopie, das wissen Christen und hoffen auf das Reich Gottes. „Doch wir können uns nicht auf der Ewigkeit ausruhen, wir müssen uns im Hier und Jetzt für den Frieden einsetzen“, sagt Brahms.

Spätestens seit der Denkschrift zum Frieden im Jahr 2007 vertritt die EKD einen positiven Friedensbegriff. „Frieden bedeutet mehr als die Abwesenheit von Krieg“, sagt Brahms. Ein positiver Friedensbegriff beinhalte, dass auf jegliche Gewalt verzichtet wird – physisch wie psychisch. Auch in einer modernen westlichen Gesellschaft würde dann erst Frieden herrschen, wenn für Rassismus, Antisemitismus und Hate Speech kein Platz mehr ist. Wie sich die Kirche in der Friedensbildung und Demokratieförderung engagieren kann, wird ein Thema der Synode sein. Am Ende der Synode soll ein Kundgebungstext verabschiedet werden, der sich für den Vorrang ziviler und gewaltfreier Mittel der Konfliktlösung einsetzt und gleichzeitig auch den inneren Frieden der Gesellschaft in den Blick nimmt. Bis dahin dürfte viel debattiert werden.

Die Synode muss sich auch mit Hausaufgaben aus dem vergangenen Jahr beschäftigen. Auf der Synode 2018 in Würzburg waren die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche und Digitalisierung zentrale Themen. Der Beauftragtenrat wird berichten, welche Fortschritte mit dem im vergangenen Jahr beschlossenen Elf-Punkte-Plan erzielt wurden (nachzulesen in der Dokumentation).

Doch auch die Frage der Beteiligung Betroffener ist einer der zentralen Punkte für die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, der noch nicht geklärt ist. Eine Übereinkunft mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, steht noch aus. Das soll bis zum Ende des Jahres geschehen, hieß es Anfang September. Die Zusammenarbeit mit dem Missbrauchsbeauftragten ist für die geplante Dunkelfeldstudie von Bedeutung, die EKD hofft, dass sich der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs in Berlin an einer breiten Untersuchung beteiligen könnte, die verdeckten Missbrauch in Kirchen, Schulen und Sport untersucht.

Für Diskussion unter den Synodalen dürfte auch die geplante Neuregelung der Entschädigungsleistungen für Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche sorgen. Nach einem Vorschlag, der auf der Herbst-Vollversammlung der Bischöfe im September diskutiert wurde, stehen Summen bis zu 400 000 Euro je Fall im Raum.

Auch beim Thema Digitalisierung muss die Synode hinschauen. Im vergangenen Jahr hatte sie rund eine Million Euro für einen Innovationsfonds zur Verfügung gestellt. Bislang wurde jedoch nur ein Bruchteil der Mittel abgerufen: 4000 Euro. Ein Vergabegremium, das über die Anträge entscheidet, hat erst kurz vor der Synode seine Arbeit aufgenommen. Die Stabstelle Digitalisierung im EKD-Kirchenamt ist mittlerweile komplett.

Ob die Synode Beratungsbedarf zum Thema Seenotrettung anmeldet, wird sich erst während der Tagung zeigen. Das geplante Rettungsschiff, das die EKD zusammen mit einem Verein anschaffen möchte, war das beherrschende Kirchen-Thema des Sommers. Zwar muss die Synode kein Geld dafür bewilligen, doch eine inhaltliche Aussprache ist wahrscheinlich.

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