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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Pleite harter Schlag für ganze Branche

24.09.2019

Frankfurt /London „Die Durchführung von Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September kann nicht gewährleistet werden. Jeglicher Verkauf von Reisen ist gestoppt“. Kurz und knapp informierte am Montag die deutsche Tochter des traditionsreichen britischen Reise-Anbieters Thomas Cook die hiesigen Kunden. Und sie bereitete ihre Mitarbeiter und Passagiere auf noch Schlimmeres vor.

Falls man nicht in letzter Minute eine andere Lösung finde, sehe man sich gezwungen, für die Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH sowie Bucher Reisen & Öger Tours GmbH, womöglich noch andere Firmen, ebenfalls einen Insolvenzantrag zu stellen. Der deutsche Ferienflieger Condor dagegen, auch er ein Unternehmen der britischen Gruppe, beschied seine Passagiere mit einem Info-Laufband auf seiner Web-Seite: „Alle Condor Flüge finden planmäßig statt.“ Wie lange, dazu sagte das Unternehmen aber nichts in dem „wichtigen Hinweis für Thomas Cook Gäste“. Jedenfalls hat das Unternehmen vorsorglich schon mal den Bund um einen Kredit gebeten, um weitermachen zu können. Angeblich soll es um 200 Millionen Euro gehen.

Thomas Cook gilt als der Erfinder des Pauschaltourismus schlechthin und führt seine Ursprünge bis in das Jahr 1841 zurück. Unter dem Dach des britischen Konzerns operiert in Deutschland unter anderem der vom Versandunternehmer Josef Neckermann gegründete Reiseveranstalter Neckermann Reisen. Die Thomas Cook Group kämpfte bereits seit Jahren mit Problemen. Sie beschäftigt weltweit rund 22 000 Menschen, davon 9000 in ihrem Heimatland. Die Muttergesellschaft stellte nach fieberhaften, erfolglosen Rettungsbemühungen über das Wochenende schließlich am Montag Insolvenzantrag. Sie hatte es nicht geschafft, neues zusätzliches Geld in dreistelliger Millionenhöhe bei ihrem chinesischen Großinvestor Fosun, bei Banken und Gläubigern lockerzumachen. Betroffen von der Pleite sind weltweit rund 600 000 Reisende, davon angeblich rund 140 000 deutsche Kunden.

Der deutsche Ferienflieger Condor gilt dabei gemeinhin als eine Perle unter den Beteiligungsfirmen von Thomas Cook. Der Ferienflieger bringt jährlich rund acht Millionen Gäste weltweit an ihre Ziele und arbeitet nach eigenen Angaben seit Jahren profitabel. Firmenchef Ralf Teckentrup kündigte trotz der jüngsten Entwicklung an: „Wir konzentrieren uns auch weiterhin auf das, was wir am besten können: unsere Gäste pünktlich und sicher in den Urlaub zu fliegen.“ Condor will also weitermachen. „Um Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, wurde ein staatlich verbürgter Überbrückungskredit beantragt“, teilte die Gesellschaft aber mit. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte das, wollte sich aber zur Höhe des Kredits und zu den Aussichten für seine Bewilligung erst einmal nicht äußern.

Allerdings gibt es so etwas wie einen Präzedenzfall: Vor zwei Jahren war die Regierung der damals insolventen Air Berlin mit einem Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro beigesprungen. Das Geld wurde inzwischen voll zurückgezahlt. Doch entscheidend ist der Einzelfall, hieß es im Wirtschaftsministerium dazu. An der Absicherung von Pauschaltouristen in Deutschland gegen die Folgen der Insolvenz von Thomas Cook-Gesellschaften wurden inzwischen Zweifel laut. Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, bemängelte: „Die Insolvenz von Thomas Cook sorgt für große Verunsicherung bei deutschen Reisenden.“ Müller forderte zudem Thomas Cook auf, zügig mit dem Insolvenzversicherer sowie mit Airlines und Transportunternehmen zu sprechen, um den Rücktransport der gestrandeten deutschen Urlauber zu organisieren.

Die Bundesregierung bereitet sich unterdessen darauf vor, gegebenenfalls zu helfen. Eine staatliche Rückholaktion von gestrandeten Reisenden, wie es sie in Großbritannien geben soll, ist aber derzeit wohl nicht geplant, machte das Auswärtige Amt deutlich. Anders als auf der britischen Insel seien in Deutschland der zuständige Reiseanbieter und die Insolvenzversicherung gefragt. Was aber Individualtouristen angeht, ständen die deutschen Auslandsvertretungen bereit, notfalls zu helfen. Welche Auswirkungen die Pleite des englischen Mutterkonzerns auf deutsche Kunden und Konzernfirmen habe, sei noch nicht voll überschaubar.

Gernot Heller Korrespondentenbüro Berlin
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