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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Deutschlands Großbanken unter Druck

26.04.2019

Frankfurt /Main Auf dem Reißbrett wirkte es einfach: Deutsche Bank plus Commerzbank gleich mehr Kunden auf einer größeren Plattform gleich solidere Geschäfte gleich mehr Gewicht im internationalen Wettbewerb. Allein: Die Gleichung, die betriebswirtschaftlich so sinnvoll erscheinen mag, ging nicht auf.

Zu groß waren die Bedenken, die Umsetzung einer solchen Mega-Fusion würde beide Häuser zu lange beschäftigen. Zu groß waren auch die Widerstände – intern wie extern. Nicht ganz überraschend erklärten die beiden größten deutschen Privatbanken nach knapp sechs Wochen intensiver Gespräche die Idee eines Zusammenschlusses für gescheitert. In betonter Einmütigkeit kamen die Vorstände beider Häuser zum Schluss: Eine Fusion wäre zu teuer, zu aufwendig, zu ungewiss.

Die Lesart ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Gewerkschaft, Betriebsräte, Aktionärsvertreter, Analysten – vielstimmig war der Chor der Kritiker. Ihre Argumente: Eine Fusion würde Zehntausende Jobs kosten, enorme Summen an Geld verschlingen – unter anderem für den Stellenabbau – und viel Zeit brauchen. Und trotz allem bliebe fraglich, ob aus den beiden Instituten, die seit Jahren mit Altlasten, niedrigen Zinsen und scharfem Wettbewerb zu kämpfen haben, der von der Politik herbeigesehnte „nationale Champion“ entstünde.

Eine fusionierte Bank dieser Größenordnung – es wäre mit einer Bilanzsumme von 1,8 Billionen Euro die zweitgrößte im Euroraum gewesen – hätte ihre Kapitalpuffer verstärken müssen, um die Anforderungen als systemrelevantes Institut zu erfüllen. Und wären die kulturellen Unterschiede in den Bankentürmen tatsächlich so einfach verschwunden? Hätte das auf glänzenden Folien präsentierte und mit Excel-Tabellen untermauerte Konzept mit Einsparzielen und Geschäftschancen den harten Realitäts-Check bestanden?

Hartnäckig hielt sich die Lesart, Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und Commerzbank-Chef Martin Zielke, hätten sich nur infolge politischen Drucks angenähert – was beide Seiten bestritten. Unbestreitbar ist indes, dass der Prozess kräftig an Dynamik gewann, nachdem Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär Jörg Kukies – vormals Deutschland-Chef der US-Bank Goldman Sachs – kaum eine Gelegenheit ausließen, um für international wettbewerbsfähige deutsche Banken zu werben.

Wurschteln die beiden größten deutschen Privatbanken nun weiter vor sich hin, während die US-Konkurrenz enteilt? Deutsche-Bank-Finanzchef James von Moltke hält es für denkbar, dass sich das Institut andere Fusionsoptionen anschaut. In Medienberichten wird spekuliert, dass die Deutsche Bank ihre Fondstochter DWS mit dem Fondsgeschäft der Schweizer Großbank UBS verschmelzen könnte.

Und stehen bei der Commerzbank bereits andere Aspiranten Schlange? „Die Absage an eine nationale Fusion hat die Tür für eine Konsolidierung auf europäischer Ebene geöffnet“, meint Branchenkenner Ingo Speich von Deka Investment.

Medienberichten zufolge sollen sowohl die italienische Unicredit als auch die niederländische ING Interesse gezeigt haben. Beide Institute sind mit eigenen Einheiten im Privatkundengeschäft in Deutschland aktiv und könnten diese aufwerten. Insider bezweifeln, dass solche Szenarien aktuell Sinn ergeben würden – zumindest hätten beide Varianten nicht das Gewicht der nun gescheiterten deutschen Lösung. Das Fusionskarussell dürfte sich gleichwohl weiterdrehen.

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