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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

„Allfinanzkonzern“, „Champion“ und „Powerhouse“

26.04.2019

Frankfurt /Main Der Traum von einer Großfusion von Deutscher Bank und Commerzbank ist geplatzt. Doch Größe allein ist ohnehin keine Garantie für Erfolg. Das zeigt so manche Fusion in der deutschen Finanzbranche der vergangenen Jahre.

DER ALLFINANZKONZERN

Es sollte ein „Bilderbuchstart in die Welt der integrierten Finanzdienstleistungen“ sein. Am 1. April 2001 genehmigten die Aufsichtsräte der Allianz und der Dresdner Bank die Übernahme des Kreditinstitutes durch den Versicherungskonzern für etwa 23 Milliarden Euro. Der Zusammenschluss sollte neue Vertriebschancen für Versicherungs- und Bankprodukte bieten – über Bankschalter und Allianz-Vertreter. Doch lange Zeit bescherte die Tochter dem Münchner Versicherungsriesen teils drastische Verluste. Die ab Mitte 2007 tobende Finanzkrise sorgte für neue Probleme und rote Zahlen bei der Dresdner Bank. „Wir müssen heute eingestehen, dass wir es nicht hinbekommen haben, unsere Ambitionen zu verwirklichen, mit der Dresdner Bank einen Allfinanzkonzern zu schmieden“, räumte der damalige Allianz-Chef Michael Diekmann später ein.

EIN ZWEITER DEUTSCHER CHAMPION

Die Commerzbank übernimmt für insgesamt 9,8 Milliarden Euro die Dresdner Bank von der Allianz. Der Dresdner-Bank-Kauf im Spätsommer 2008 lässt die Manager von einem „Meilenstein in der deutschen Bankenkonsolidierung“ schwärmen. Ein „zweiter deutscher Champion“ sollte sie werden, die „neue Commerzbank“. Doch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers stürzte die Finanzmärkte ins Chaos. Die Dresdner-Übernahme wurde zur Bedrohung für die Commerzbank, der Staat musste mit Rettungsmilliarden einspringen. Die Zusammenlegung der gelben und der grünen Bank gelang jedoch geräuschlos, obwohl damit auch der Abbau Tausender Stellen sowie Filialschließungen einhergingen.

DAS SPITZENINSTITUT
DER GENOSSEN

Nach mehreren vergeblichen Anläufen schließen sich die genossenschaftlichen Zen­tralbanken DZ und WGZ Bank zum 1. August 2016 zum Spitzeninstitut für die aktuell gut 900 Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland zusammen. Gemessen an der Bilanzsumme von knapp 500 Milliarden Euro zum damaligen Zeitpunkt entsteht das drittgrößte Institut in Deutschland. Bislang läuft die Integration trotz Stellenabbaus erfolgreich.

EINE WECHSELVOLLE
GESCHICHTE

Ein „Powerhouse“ sollte das um 14 Millionen Postbankkunden erweiterte Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank werden. Ende 2010 sicherten sich die Frankfurter die Mehrheit bei der Postbank. Gut sechs Milliarden Euro legte die Deutsche Bank unter ihrem damaligen Vorstandschef Josef Ackermann für den gelben Riesen auf den Tisch. Doch die hohen Erwartungen erfüllten sich nicht. Angesichts von Zinsflaute, Regulierungswellen und hausgemachter Probleme läutete die Deutsche Bank im April 2015 die Trennung von der Postbank ein. Nur zwei Jahre später kam die Rolle rückwärts: Die auf Privatkunden fokussierte Tochter wird in den Konzern integriert. Gemeinsame Verwaltung und Technik sollen Kosten einsparen.

DIE BAYERISCHE
BANKEN-HOCHZEIT

Aus dem Zusammenschluss der Hypobank und der Vereinsbank geht 1998 die neue Bayerische Hypo- und Vereinsbank (HVB) hervor. Die Fusion ist die bis dahin größte in der deutschen Bankengeschichte. Im Rückblick ist sie allerdings nicht unbedingt als Erfolg anzusehen. Beide Banken, vor allem aber die Hypo-Bank, waren nach der Wiedervereinigung stark in Ostdeutschland engagiert. Als die Immobilienmärkte dort in die Krise gerieten, standen die Institute mit massenweise faulen Krediten in den Büchern da. Im Jahr 2005 übernahm die italienische Unicredit schließlich die HVB.

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