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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Finanzen: Deutsche zahlen Schulden brav zurück

06.07.2019

Frankfurt /Wiesbaden Deutschlands Verbraucher erweisen sich als verantwortungsbewusste Schuldner: Ihre Zahlungsmoral ist so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Im vergangenen Jahr wurden 97,9 Prozent der Konsumentenkredite vertragsgemäß zurückgezahlt, wie aus dem am Freitag veröffentlichten „Kreditkompass“ der Auskunftei Schufa hervorgeht. Es war den Angaben zufolge ein leichter Anstieg gegenüber 2017 und der beste Wert seit zehn Jahren.

Kein Job oder krank

„Die Menschen haben ihre Finanzen im Griff. Eine Rückzahlquote von fast 98 Prozent belegt, dass das Kreditsystem in Deutschland funktioniert und Verbraucher vor Überschuldung bewahrt werden“, sagte Schufa-Vorstandschef Michael Freytag. „Bei den zwei Prozent, die ihre Kredite nicht zurückzahlen, gibt es drei wesentliche Gründe: Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit“, erläuterte Freytag.

Trotz historisch niedriger Kreditzinsen schlagen zumindest die meisten Verbraucher nicht über die Stränge. Den Daten der Auskunftei zufolge sank die Zahl der neu abgeschlossenen Verbraucherkredite 2018 im Vergleich zum Vorjahr leicht um 1,6 Prozent auf rund 7,9 Millionen. Die aufgenommene Summe erhöhte sich im Schnitt allerdings um 8,5 Prozent auf 11 140 Euro. Ein Grund dafür könnte das Zinstief sein: Für die gleiche monatliche Belastung leihen sich Verbraucher mehr Geld.

Am häufigsten nehmen Verbraucher einen Ratenkredit den Angaben des „Kreditkompasses“ zufolge für den Kauf von Autos, Möbeln sowie elektronischen Geräten in Anspruch. Am stärksten nachgefragt wurden erneut Darlehen von mehr als 10 000 Euro. Rund 39 Prozent aller 2018 neu abgeschlossenen Kredite fielen in diese Kategorie. Ende vergangenen Jahres verzeichnete die Schufa in ihrem Datenbestand insgesamt gut 18,4 Millionen (Vorjahr: rund 18 Millionen) laufende Ratenkredite.

Bei der Aufnahme eines Konsumentendarlehens handeln Verbraucher aus Sicht der Schufa zunehmend überlegt: Bevor sie sich für einen Kreditvertrag entscheiden, vergleichen viele die Bedingungen verschiedener Anbieter genau. Die Zahl der Anfragen nach Kreditkonditionen stieg im vergangenen Jahr nach Beobachtung der Schufa um 30 Prozent auf rund 34,8 Millionen. Im Schnitt holten Verbraucher zwei bis drei Angebote ein.

Zuletzt hatte sich die Konsumlaune der Menschen in Deutschland allerdings etwas eingetrübt. Vor allem die Entwicklung des eigenen Einkommens beurteilten Verbraucher nach Angaben der Konsumforscher der Nürnberger GfK im Juni skeptischer als im Vormonat. Die Furcht vor einem Jobverlust sei bei einer Reihe von Arbeitnehmern gestiegen, erläuterte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl jüngst.

Dennoch ist Schufa-Chef Freytag zuversichtlich, dass der private Konsum die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland vorerst weiter stützen wird: „Wir sehen derzeit keine Anzeichen dafür, dass die Kreditnachfrage sinken wird.“

Rechnung oder Bitcoin?

Verbraucher, die im Internet shoppen, kaufen einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Schufa zufolge weiterhin am liebsten auf Rechnung (88 Prozent). „Die alte Rechnung gilt immer noch als das sicherste Zahlungsmittel“, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner. Mit einigem Abstand folgt die Nutzung des Zahlungsdienstes Paypal (52 Prozent). Bezahlen mit sogenannten Kryptowährungen wie Bitcoin kommt für die große Mehrheit (75 Prozent) der befragten Internetnutzer dagegen nicht infrage.

Die von der Schufa und anderen Auskunfteien gesammelten und bewerteten Daten sind für Millionen Menschen wichtig, die Kredite aufnehmen oder Mietverträge abschließen wollen. Die Schufa-Statistik erfasst hingegen keine Dispokredite und Verbindlichkeiten zum Beispiel aus Verträgen mit Mobilfunkanbietern.

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