GARMISCH-PARTENKIRCHEN - Garmisch-Partenkirchen/DPA Der erste Schultag bedeutet für Kinder und Eltern gleichermaßen einen Einschnitt: Das Kind geht einen Schritt weiter in die Selbstständigkeit. Dazu müssen Eltern loslassen. Doch sie können ihren Sprössling begleiten und ihm den Anfang erleichtern.

Die beste Voraussetzung für einen guten Start in den Schulalltag ist eine positive Grundstimmung des künftigen Erstklässlers. Schon Wochen vorher können die Eltern diese fördern, indem sie Neugier wecken und Lust auf alles Neue machen. Das funktioniert umso besser, je genauer sie wissen, was das Kind erwartet. Schulen bieten zahlreiche Informationsmöglichkeiten, die genutzt werden wollen: Am Tag der offenen Tür oder einem Sommerfest kann die ganze Familie auf Erkundungstour gehen. Für Eltern gibt es bereits vor den Sommerferien Elternabende. Auch Kindertagesstätten schnuppern oft mit ihren Vorschulgruppen in den Schulalltag hinein. All diese Eindrücke tragen dazu bei, dass sich Kind und Eltern frühzeitig ein lebendiges Bild von der Schule machen. So verliert sie einen Teil ihrer Fremdheit.

Mancherorts ist die Zusammenstellung der ersten Klasse und die Benennung des Klassenlehrers die erste Nagelprobe. „Eltern, die versuchen, den aus ihrer Sicht idealen Lehrer für ihr Kind auszusuchen, sind auf dem Holzweg“, warnt Psychologe Kopp. „Das Kind muss lernen, mit jedem Lehrer zurecht zu kommen.“ Das gilt auch für die Eltern.

Neben der mentalen Vorbereitung haben Eltern auch eine ganze Reihe von Möglichkeiten, ihr Kind praktisch auf die Schule vorzubereiten. „Das heißt nicht, dass Sie das Zählen bis 100 oder das ganze Alphabet trainieren sollen. Kenntnisse zu vermitteln ist unser Job“, sagt Reinhard Werner, Leiter der Grundschule Kirkel-Limbach (Saarland). Stattdessen können Eltern mit Hilfe von Würfelspielen spielerisch das Zahlenverständnis erarbeiten, durch Basteleien die Feinmotorik schulen sowie durch Vorlesen die Ausdrucksfähigkeit stärken und die Konzentration fördern.

Eine große Herausforderung für die ganze Familie ist der neue Tagesablauf. „Nutzen Sie die drei letzten Wochen der Sommerferien, um sich gemeinsam an die neue Aufstehzeit zu gewöhnen“, schlägt Werner vor. Davon sollten die Wochenenden ausgenommen sein, so dass das Kind ein Verständnis für den Zeitraum „Woche“ entwickelt.

Auch wenn der Schulweg schon lange einstudiert wurde – Begleitung ist anfangs notwendig. „Eine gute Möglichkeit ist, zu schauen, welche Kinder aus der Nachbarschaft eine Weggemeinschaft bilden könnten“, rät Udo Hartings, Pädagoge und stellvertretender Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth. Dann können sich die Eltern bei der Begleitung gut abwechseln. „Dadurch knüpfen sie engere Kontakte. Das erleichtert auch den Kindern das Zusammenwachsen.“ In Etappen heißt es dann, die Kinder alleine gehen zu lassen.

Auch am Nachmittag ist ein regelmäßiger Ablauf wichtig. „Der kann bei jedem Kind anders aussehen. Beobachten Sie einfach, wie Ihr Kind in den ersten Tagen reagiert“, sagt Schulleiter Werner. Viele Kinder brauchen nach der Schule eine Abschaltphase oder gar ein Nickerchen, bevor sie sich an die Hausaufgaben setzen. Dafür ist ein ruhiger Raum ohne Ablenkung erforderlich: Ob am Schreibtisch im Kinderzimmer oder am Küchentisch – Prinzessin Lillifee und die Wilden Kerle sollten verbannt, Radio und Fernseher abgeschaltet werden.

Doch ob es nun um Aufstehzeiten oder Hausaufgaben geht: Zwang und Druck seien fehl am Platz, so Werner: „Wir erwarten keine durchprogrammierten Kinder.“