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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

„Gedenktag hat auch europäische Dimension“

16.06.2016
Frage: Wie schätzen Sie das Gedenken an den 17. Juni 1953 ein?
Holzapfel: Der 17. Juni ist in der öffentlichen Wahrnehmung fast in Vergessenheit geraten. Es gibt zwar alljährlich einen Staatsakt auf dem Friedhof Seestraße im Berliner Stadtteil Wedding, wo der Opfer des Aufstandes gedacht wird. Aus unserer Sicht ist dies aber eine eher ungeliebte Veranstaltung, die zu einem Ritual geworden ist.
Frage: Woran mangelt es Ihrer Meinung nach?
Holzapfel: In den Schulen wird das Wissen um den 17. Juni kaum noch vermittelt. Leider verlottern auch die Gedenkstätten, die überall errichtet wurden. Das war vor Jahren, besonders vor dem Mauerfall 1989, noch anders. Regelmäßig gepflegt wird einzig die Gedenkstätte auf dem Friedhof Seestraße, was eher dem Engagement der dortigen Verwaltung zu verdanken ist. Das einzige originäre Denkmal in Zehlendorf ist ein weiteres Zeichen für die verblassende Erinnerung: Die Kränze der Gedenkveranstaltung aus dem Vorjahr lagen noch 2014 und 2015 eine Woche vor der neuerlichen Ehrung an ihrem Platz. Das zeigt für uns in erschütternder Weise, wie gering das Interesse geworden ist. Aufgrund unserer Bemühungen ist das zuständige Bezirksamt jetzt wohl aufgewacht. Jedenfalls hat die Bezirksverordnetenversammlung jüngst entsprechende Beschlüsse für eine intensivere Pflege gefasst.
Frage: Zum 17. Juni 2016 wird der Chef des Bundeskanzleramts, Peter Altmaier, auf dem Staatsakt sprechen …
Holzapfel: Ja, und wir haben ihn im Vorfeld daran erinnert, dass die Ungarn heuer ihren 60. Jahrestag der Revolution begehen. Auch in Polen, in Tschechien und der Slowakei ist das Interesse am 17. Juni größer als bei uns. Das kann doch nicht richtig sein. Man ist zum Beispiel in Ungarn der Meinung, dass ohne den 17. Juni 1953 der Ungarnaufstand von 1956 nicht möglich gewesen wäre. Das hat uns der ehemalige ungarische Staatspräsident Arpad Göncz geschrieben. Der 17. Juni hat also auch eine europäische Dimension, die bei uns einfach vernachlässigt wird.
Frage: Was sollen wir in Deutschland mit dem 17. Juni denn anfangen?
Holzapfel: Der 17. Juni erinnert an einen Aufstand gegen die Diktatur, darauf dürfen wir stolz sein. Wir haben allerdings schon 1989 nach dem Fall der Mauer darauf hingewiesen, dass der 9. November das geeignete Datum für einen nationalen Feiertag sein sollte. Dafür wären wir bereit gewesen, auf den 17. Juni als arbeitsfreien Tag zu verzichten. Stattdessen hat man den 3. Oktober gewählt. Wir sagen dazu: Das ist ein Gedenktag nach Aktenlage, weil zufällig an diesem Tag der Einigungsvertrag in Kraft trat. Für einen nationalen Gedenktag ist das zu wenig. Aber geben wir dem 17. Juni doch die europäische Note, die dieser Tag verdient. Das könnte eine neue Belebung des Gedenkens sein. Es gibt im Übrigen auch eine Menge anderes zu tun. Im Augenblick versuchen wir, eine Schule zu finden, die die Patenschaft für unser Denkmal in Zehlendorf übernimmt. Das Gedenken muss in die Hände der jüngeren Generation übergeben werden, solange noch Zeitzeugen leben, die ihr Wissen weiterreichen können. Solange wir können, werden wir uns als Vereinigung 17. Juni 1953 für dieses Gedenken engagieren. Das geschieht seit Jahrzehnten ehrenamtlich, ohne jedwede Förderung durch den Staat.
Hans Begerow
Leitung
Politik/Region
Tel:
0441 9988 2091

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