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Sperrung der A29 in Oldenburg
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Aktualisiert vor 14 Minuten.

Unfall Mit Mehreren Fahrzeugen
Sperrung der A29 in Oldenburg

NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Gefährlich nah an der Verlustzone

19.11.2016

Wolfsburg /Hannover /Emden Es geht ans Eingemachte. Seit Monaten haben die Beteiligten in Wolfsburg um ein Regelwerk gerungen, das die Weichenstellung sein soll für die nächsten Jahre. Und das Ergebnis macht klar, warum Arbeitnehmer und Volkswagen sich auf den letzten Metern so schwergetan haben. Bis zu 30 000 Stellen sollen in den kommenden Jahren weltweit wegfallen, die Kosten um fast vier Milliarden Euro pro Jahr sinken. Damit kommt auch die Dieselkrise endgültig bei der Belegschaft an.

Allein in Deutschland stehen 23 000 Stellen zur Disposition. Der Abbau soll zwar sozialverträglich geschehen, betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben. Viele aber müssen sich umstellen. Manches Werk wird weniger – und andere – Arbeit haben.

„Es hätte schlimmer kommen können“, sagt der SPD-Abgeordnete Hans-Dieter Haase aus dem Wahlkreis Emden. Immerhin sei „viel für Leiharbeiter herausgeholt“ worden, weil sie in reguläre Beschäftigungsverhältnisse überführt würden. „Und“, ergänzt Haase, „ich bin äußerst froh, dass das vierte Modell in Emden kommt. Damit steigt die Auslastung auf das alte Niveau.“

Tatsächlich muss VW sparen und gleichzeitig in neue Technologien investieren, um den Anschluss nicht zu verlieren. Vieles stand auf dem Prüfstand, aber am VW-Fundament sollte nicht gerüttelt werden. Die Lage für VW ist allerdings ernst. Die Kernmarke VW Pkw wandelt nicht erst seit der Abgasaffäre gefährlich nah an der Verlustzone.

Magerer Gewinn

Von 100 Euro Umsatz blieben in den ersten neun Monaten nur rund 1,60 Euro als Gewinn vor Zinsen und Steuern hängen – zu wenig für die Ansprüche des Weltkonzerns. Markenchef Herbert Diess will die Umsatzrendite in den kommenden Jahren nun mehr als verdoppeln.

Die großen Gewinne fahren im VW-Konzern andere ein. Dass die Premiumschlitten von Porsche und Audi lukrativer sind, liegt auf der Hand. Aber selbst die Konzerntochter Skoda glänzt im Vergleich zu VW mit ihrer Gewinnkraft.

Belegschaft und Unternehmen haben nun den sogenannten Zukunftspakt geschnürt – doch ohne Schmerzen wird es nicht gehen. In Wolfsburg glaubt man, den Ausweg durch einen Personalabbau gefunden zu haben, der sich die zahlreichen Babyboomer an der Altersteilzeitgrenze zunutze macht. Sie sollen für Entlastung sorgen, wenn sie weniger arbeiten oder in Frührente gehen. Ob die Sparbemühungen reichen, das bezweifeln viele.

Der Österreicher Diess kann für sich verbuchen, dass die als teuer geltenden deutschen Werke durch den Jobabbau insgesamt um ein Viertel profitabler werden sollen – vor allem auch auf Kosten von Leiharbeitern, bei denen zuletzt schon deutlich gekürzt worden war. Dabei ist noch gar nicht klar, wie das Programm im Detail auf die einzelnen Standorte wirkt, wie viele etwa in Emden oder Zwickau das Angebot der Altersteilzeit annehmen.

„Wir als Betriebsrat können nicht verhindern, wenn der Vorstand künftig weniger Zeitarbeiter einsetzen will“, sagt sein Gegenspieler, Betriebsratsboss Bernd Osterloh. Er macht für sich geltend, dass die Altersteilzeit deutlich ausgeweitet wird. Auch wenn die VW-Arbeiter im Branchenvergleich gut bezahlt werden – Altersteilzeit bekam nicht jeder, der wollte.

Großer Wurf

Konzernchef Matthias Müller und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sehen in dem Pakt den großen Wurf. Alle Standorte hätten „klare Perspektiven“, sagt Weil. Hervorzuheben sei „die konsequente Orientierung von Volkswagen auf Elektromobilität und Digitalisierung der Fahrzeuge“. „Die Landesregierung unterstützt diese Schwerpunktsetzung ausdrücklich. Das gilt insbesondere auch für die Entscheidung, dass Wolfsburg Zentrum der Entwicklung hin zur Elektromobilität sein wird“, ergänzt Aufsichtsratsmitglied Weil.

Für CDU-Fraktionschef Björn Thümler (Berne) ist Weil ein „Schönredner“. „Die Frage bleibt, ob VW mit dem Maßnahmenpaket wirklich über den Berg ist.“ Die Grünen begrüßen, „dass der VW-Konzern endlich in der Wirklichkeit ankommt“, so Fraktionschefin Anja Piel. Die Modernisierung hin zur E-Mobilität sei „lange überfällig“. „Eine falsche Entscheidung“, wettert dagegen Ex-Minister Jörg Bode (FDP). Die Verbrennungsmotoren durch Elektroantriebe zu ersetzen, sei eine „riskante Strategie“.

Dabei könnte das Programm Signalwirkung haben. „Die verkündeten Maßnahmen dürften der Auftakt für Kosteneinsparungen auch bei den anderen Automarken des Konzerns sein“, sagt Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB. Wichtig wird sein, ob und wie VW eingespartes Geld investiert, etwa in E-Autos, Batterien, vernetzte Autos. Den Angaben zufolge sollen ja auch 9000 Jobs in Zukunftsbereichen neu entstehen.

Gunars Reichenbachs Chefkorrespondent / Redaktion Hannover
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