GORLEBEN - Evangelische Seelsorger haben nach dem Atommüll-Transport ins Zwischenlager Gorleben eine erste Bilanz gezogen. Der Lüchower evangelische Propst Stephan Wichert-von Holten sprach von einem insgesamt friedlichen Verlauf der Proteste und einem moderaten Vorgehen der Polizei.
Während des Transports waren im Wendland fast 40 Geistliche und andere kirchliche Mitarbeiter unterwegs, um bei drohenden Konflikten zwischen Polizei und Demonstranten zu vermitteln.
Die vor Medien geäußerte Einschätzung des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann (CDU), es habe eine größere Zahl gewaltbereiter Demonstranten gegeben, könnten die Kirchenvertreter nicht bestätigen, sagte Wichert-von Holten. „Für uns hat es sich so dargestellt, dass Demonstranten bewusst auf Gewalt verzichtet haben.“ Nur vereinzelt habe es Ausnahmen gegeben, etwa bei Blockaden an den Schienen.
Die Polizei habe im Vorfeld des Transports viel friedlichen Protest zugelassen, sagte Wichert-von Holten. Besonders die Einsatzleiter seien sehr besonnen gewesen. Zum Teil hätten sie aber deutlich auf ihre Einsatzkräfte einwirken und eingreifen müssen, wenn etwa jemand mit dem Fuß aus einer Sitzblockade gezerrt oder Hände und Köpfe verdreht worden seien.
Die durch ihre weißen Westen gekennzeichneten Seelsorger wirkten jedoch mäßigend auf alle Seiten, sagte Wichert-von Holten. „Wer sich von uns beobachtet weiß, unterlässt auch manches.“
