HAMBURG - Ein vor kurzem entdecktes Planungspapier der Stasi deutet nach Einschätzung eines Experten auf die Absicht der DDR hin, Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) gezielt für Tötungen, Geiselnahmen und Sprengstoffanschläge in der Bundesrepublik zu benutzen. In dem Papier werde detailliert beschrieben, „wie sich das Ministerium für Staatssicherheit der „Terrorszene in den imperialistischen Staaten“ bedienen wollte“, sagte der Hamburger Politologe Wolfgang Kraushaar. Das Dokument aus dem Jahr 1982 war von einem US- Journalisten in der Behörde für Stasiunterlagen (Birthler-Behörde) entdeckt worden.
Die Frage des Einflusses der Stasi auf die RAF sei aber noch nicht endgültig zu beantworten, sagte der 59 Jahre alte Wissenschaftler des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS). „Unter den Rahmenbedingungen des Kalten Krieges agierten Terrororganisationen mitunter als verlängerter Arm von Großmächten.“ Das Ziel sei eine Destabilisierung des „Klassenfeindes“ gewesen. Nach Angaben der Birthler-Behörde erwog Stasi-Chef Erich Mielke, die in die DDR geflüchteten Terroristen der RAF in einem innerdeutschen Konflikt als Kämpfer „hinter den feindlichen Linien einzusetzen“.
Es gebe zudem große Unklarheiten über die RAF-Anschläge in der Zeit von 1985 bis 1991. „War die sogenannte dritte Generation der RAF vielleicht nur eine geschickte Tarnung, die von Geheimdienst-Akteuren benutzt wurde, um eigene Verbrechen zu verschleiern?“, fragt sich Kraushaar. Die Morde in dieser Zeit werden zwar der RAF zugerechnet, doch in ihrer Machart unterschieden sie sich teilweise deutlich von früheren Anschlägen.
