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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Deutscher Herbst: Nur ein Terrorist brach das Schweigen über Taten

14.08.2017

Hamburg Peter-Jürgen Boock wird 1951 in Garding/Nordfriesland geboren. Er wächst in Hamburg auf, beginnt nach der Realschule eine Lehre als Maschinenschlosser. Mit seinem Vater versteht er sich nicht. 1968 zieht er nach Den Haag, kommt in einer Kommune unter und konsumiert Rauschgift. Zurück in Hamburg wird er 1969 (volljährig ist man zu dieser Zeit erst mit 21) ins Landesfürsorgeheim Glückstadt gebracht, später ins „Burschenheim Beisenhaus“ in Hessen. Dort lernt er den Kaufhausbrandstifter Andreas Baader kennen, der – zwischenzeitlich auf freiem Fuß – eine Heimkampagne gestartet hat und die Insassen zum Aufruhr auffordert. Boock wird einer von Baaders „Lehrlingen“, büxt nach Frankfurt aus, wo Baader in einer Wohngemeinschaft lebt.

Wie viele Zeitgenossen begeistert sich Boock für die Radikalität Baaders, seinen weißen Mercedes, seinen Habitus. Boock bleibt in Frankfurt, auch als Baader sich dem Strafvollzug (Rest einer dreijährigen Freiheitsstrafe) durch Flucht nach Paris entzieht. Boock konsumiert Drogen, agiert auch als Dealer, geht schließlich 1975 in den Untergrund. Seine Gruppe besteht aus seiner Frau Waltraud Boock und Rolf Clemens Wagner sowie einigen weiteren jungen Leuten. 1976 schließen sie sich der RAF an, die unter dem Kommando von Siegfried Haag die Befreiung von Baader und Co plant. So ist Boock in die Ermordung des Bankiers Jürgen Ponto, die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer sowie den Anschlag auf die Bundesanwaltschaft beteiligt. Seine Freundin ist Brigitte Mohnhaupt, Baaders und Ensslins Statthalterin im Untergrund. Er ist in der RAF zu jener Zeit in der Position, in der Baader fünf Jahre zuvor sich befunden hat. Baaders Drogenkonsum führt zu Festnahmen. Er selbst gibt vor, an Darmkrebs erkrankt zu sein, um einen Vorwand zu haben, Dolantin einzunehmen, ein Morphium-Präparat. Die RAF-Neulinge Gert Schneider und Christoph Wackernagel (ein Schauspieler) sollen in Amsterdam Nachschub besorgen. Der RAF-Unterschlupf in den Niederlanden wird jedoch überwacht. Als Wackernagel und Schneider angesprochen werden, eröffnen sie das Feuer, Schneider wirft sogar eine Handgranate, drei Polizisten werden verletzt, die beiden Terroristen verhaftet. Auch Christine Kuby soll in Hamburg Drogen beschaffen. Sie legt in Hamburg ein gefälschtes Rezept für ein Schmerzmittel vor. Der Apotheker schöpft Verdacht. Es kommt zum Schusswechsel mit der Polizei. Ein Polizist wird in die Brust getroffen, aber nur verletzt, Kuby wird ebenfalls durch Schüsse verletzt.

Als Boock zunehmend eine Belastung für die in Bagdad untergetauchte Gruppe wird, entschließt man sich, Boock in Ost-Berlin untersuchen zu lassen. Doch werden Boock, Mohnhaupt, Sieglinde Hofmann und Rolf Clemens Wagner in Zagreb verhaftet. Dazu am gleichen Tag Stefan Wisniewski in Paris. Ihm war das BKA durch einen Handschriftenvergleich auf die Spur gekommen. Die jugoslawischen Behörden liefern die vier Terroristen nicht nach Deutschland aus. Sie werden ein halbes Jahr festgehalten und dürfen dann in ein Land ihrer Wahl ausreisen – nach Jemen.

Boock bricht mit der RAF 1980. Er steigt aus, wird 1981 in Hamburg verhaftet und später zu lebenslanger Haft verurteilt. Im März 1998 wird er aus der Haft entlassen. Er lebt in der Schweiz. Als einziger RAF-Terrorist bricht er das Schweigen über die Taten, allerdings haftet ihm der Ruf geringer Glaubwürdigkeit an. Er gilt als „Karl May der RAF“.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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