Hannover/Berlin - Heiße Zeiten in der Waldbrand-Überwachungszentrale in Lüneburg: Seit Bestehen des Überwachungssystems im Jahr 2011 gab es noch nie so viele Brandmeldungen durch das automatisierte Früherkennungssystem. Ab Waldbrandwarnstufe 3 ist die Lüneburger Zentrale mit speziell geschulten Forstwirten besetzt, aktuell herrscht mit 5 die höchste Waldbrandwarnstufe in Niedersachsen. Die Forstwirte überwachen eine Fläche von 10 000 Quadratkilometern, davon etwa 400 000 Hektar Wald im ost-niedersächsischen Tiefland.
Sobald eine der 20 hochempfindlichen Sensoreinheiten an 17 Standorten eine Rauchentwicklung aufgespürt hat, erfolgt eine automatische Meldung an die Zentrale. Dort wird die Meldung der Livebilder ausgewertet, analysiert und eine exakte Verortung über Kreuzpeilung vorgenommen. Bei einem bestätigten Brandereignis wird sofort die zuständige Feuerwehrleitstelle benachrichtigt und mit entsprechenden Informationen versorgt. „Unser Ziel ist es, alle Waldbrände so früh wie möglich zu lokalisieren und erfolgreich zu bekämpfen. Wir wollen die Entwicklung größerer Brandereignisse verhindern, um Schäden so gering wie möglich zu halten“, sagt Helmut Beuke, Leiter der niedersächsischen Waldbrandüberwachungszentrale.
Aufgrund der angespannten Lage starten derzeit täglich zwei Cessnas, um aus der Luft den Überblick zu behalten. Eine Maschine hebt laut Michael Lemmel, Leiter des Krisenstabs im niedersächsischen Innenministerium, von Hildesheim aus ab, damit Experten das Weser-Ems-Gebiet und das südliche Niedersachsen beobachten können. Das andere Flugzeug startet von Lüneburg aus und ist vor allem für den Bereich Lüneburger Heide zuständig. Insgesamt seien die Feuerwehren gut aufgestellt, derart verheerende Waldbrände wie 1975 in Niedersachsen seien nicht zu befürchten – auch weil der Wegebau sich deutlich verbessert habe und die Brandherde mittlerweile viel besser zu erreichen seien.
Dennoch sei Wachsamkeit oberstes Gebot in Niedersachsens Wäldern. Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, betont: „Die Waldbrandgefahr in Deutschland ist extrem hoch, und wir brauchen dringend Regen, damit diese gemindert wird.“ Den größten Waldbrand seit Ende des Zweiten Weltkriegs gab es im Sommer 1975 in der Lüneburger Heide. Dort brannten 8000 Hektar Wald.
