HANNOVER - Am Tag danach rührte die Landesregierung noch einmal kräftig die Werbetrommel für die Oberschule in Niedersachsen. Das neue Schulkonzept ermögliche einen breiten politischen Konsens, erklärte Ministerpräsident David McAllister (CDU) am Mittwoch in Hannover. Kultusminister Bernd Althusmann sei ein „großer schulpolitischer Wurf“ gelungen. McAllister hofft auf ein Ende des jahrelangen Schulstreits im Land.

Auch der so hoch gelobte Minister Althusmann forderte noch einmal breite Unterstützung für sein Projekt. Die Oberschule sei „höchst attraktiv“, sagte der CDU-Politiker. „Ich bin entschlossen, das Modell zum Erfolg zu machen.“ Bei den Gesamtschulen zeigte sich Althusmann nach der teilweise heftigen Kritik vom Dienstag gesprächsbereit. Die Opposition und die Lehrergewerkschaft GEW hatten beklagt, dass die Oberschulen bessere Bedingungen erhalten als die Gesamtschulen.

Die CDU/FDP-Landesregierung will ab dem Schuljahr 2011/2012 eine neue Oberschule. Darin sollen Haupt- und Realschulen, aber auch die Kooperativen Gesamtschulen (KGS) aufgehen. Nach den Vorstellungen von Althusmann soll das Schulsystem in zehn bis 15 Jahren nur noch aus Gymnasien und Oberschulen bestehen. Integrierte Gesamtschulen (IGS) bleiben allerdings erlaubt. In der schwarz-gelben Koalition rechnet man mit der Gründung von weiteren 15 bis 20 Integrierten Gesamtschulen.

Die Kommunalverbände nannten die geplante Oberschule einen „Schritt in die richtige Richtung“. Den Kommunen geht es vor allem darum, trotz des Schülerrückgangs möglichst viele Schulstandorte zu erhalten. Dazu wären die Oberschulen, die alle Schulzweige unter einem Dach vereinen können, möglicherweise die richtige Antwort. Landkreise, Städte und der Landeselternrat fordern aber, die Hürden für die Zulassung neuer Gesamtschulen zu senken. Es geht um die bisherigen Bedingungen, dass fünf parallele Klassen pro Jahrgang bestehen müssen und dass die Schülerzahl auf 14 Jahre vorausgesagt werden soll.

Althusmann ist nach eigener Aussage bereit, über eine Verringerung auf vier Parallelklassen in Ausnahmen zu sprechen. Vor allem aus der FDP gibt es aber Bedenken dagegen.

Die Opposition kritisierte die geplante Schulreform am Mittwoch erneut scharf. SPD-Landeschef Olaf Lies (Sande) warf Althusmann vor, sich nicht gegen die „kleine FDP“ durchsetzen zu können. Mit dem Oberschul-Modell schaffe Althusmann ohne Not eine neue Schulform, über deren Funktionieren in Niedersachsen keine Erfahrungswerte vorlägen.

Lob für die Reformpläne kam dagegen von den Unternehmerverbänden Niedersachsen (UVN). „Die Schulreform ist dringend notwendig“, sagte UVN-Hauptgeschäftsführer Volker Müller. Angesichts des drastischen Rückgangs von Schülern gerade in strukturschwachen Regionen bedeute sie Standortsicherung.