HANNOVER - Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) musste sich am Mittwoch einmal nicht mit Plagiatsvorwürfen und Honorarvertragsaffäre herumschlagen, sondern durfte Daten und Fakten zum neuen Schuljahr verkünden. Weniger Schüler, genügend Lehrer und eine neue Schulform so könnte man das zusammenfassen.
Die gute Resonanz zeigt uns, dass wir mit dieser Schulform genau richtig liegen, sagte Althusmann mit Blick auf die 132 Oberschulen, die an diesem Donnerstag an den Start gehen. Die Oberschule arbeite berufsbezogen und lasse zugleich allen Schülern den Weg zum Abitur offen, schilderte der Minister die Vorzüge aus seiner Sicht. Viel mehr Daten zu den Oberschulen wollte oder konnte der Minister aber nicht liefern.
Die Opposition nannte die Zahl eher mickrig, weil es bisher bereits 250 Haupt- und Realschulen unter einem Dach gab. SPD, Grüne und Linke werfen der schwarz-gelben Koalition vor, die Oberschulen aus politischen Gründen finanziell zu bevorzugen zu Lasten der Gesamtschulen. An den Oberschulen an sich sei vieles unklar, monierte SPD-Fraktionsvize Frauke Heiligenstadt. Schüler und Lehrkräfte liefen Gefahr, zu Versuchskaninchen zu werden. Auch die Lehrerverbände sehen die neuen Oberschulen skeptisch. Der Landeschef des Philologenverbandes, Horst Audritz, bezeichnete den gymnasialen Zweig der Oberschulen als Flop. Die Eltern hätten das Miniangebot durchschaut und würden es ablehnen. In der Tat beginnen nur 17 Oberschulen mit einem gymnasialen Angebot.
Althusmann zeigte sich auch bei anderen Punkten zufrieden. Er rechnet mit einer durchschnittlichen Unterrichtsversorgung von 101 Prozent. Zudem seien von den 2098 offenen Lehrerstellen bereits 2062 besetzt. Rund 21 Prozent der Neueinstellungen erfolgte mit Bewerbern aus anderen Bundesländern.
Sorgen bereitet dem Minister nur die Besetzung in einigen Mangelfächern. An den Gymnasien gab es diesmal besondere Schwierigkeiten, geeignete Bewerber für Informatik, Physik, Chemie, evangelische Religion, Latein und Kunst einzustellen, sagte Althusmann. In den Realschulen fehlten Französisch-Lehrer. Wir können uns die Bewerber nicht schnitzen, erklärte der Minister.
Die Opposition zog ein anderes Fazit. Niedersachsen ist auch zum neuen Schuljahr Schlusslicht bei Inklusion, Ganztagsschulen und Krippenplätzen, sagte die Grünen Landtagsabgeordnete Ina Korter (Nordenham). Auch im neuen Schuljahr gebe es keine nennenswerten Verbesserungen, kritisierte die Linken-Bildungspolitikerin Christa Reichwaldt. Auch die neue Oberschule löst keines der Probleme an den Schulen in Niedersachsen.
