HANNOVER - HANNOVER/KRO - Im Dezember 1983 stand im Londoner Aktionshaus Sotheby’s ein sehr altes Buch zum Verkauf: das Evangeliar Heinrich des Löwen aus dem späten 12. Jahrhundert. Niedersachsens Ministerpräsident Dr. Ernst Albrecht reagierte sofort: Die Handschrift aus dem Braunschweiger Dom müsse unbedingt nach Niedersachsen zurückkehren, forderte der CDU-Politiker.

Albrecht bemerkte allerdings auch, dass solche „Gelegenheiten zur Rettung des kulturellen Erbes“ immer zur Unzeit kommen. Soll heißen: Die Kassen des Landes waren wieder einmal leer. Nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung der Bundesregierung, der Länder Bayern und Niedersachsen sowie privater Spender konnte das Werk für 32,5 Millionen DM erworben werden. Das Evangeliar galt anschließend lange Jahre als das teuerste Buch der Welt.

Die Diskussion um den Ankauf war gleichzeitig die Geburtsstunde der Stiftung Niedersachsen. Albrecht, der erster Präsident der Stiftung werden sollte, schwebte eine „Verstetigung der Kulturförderung“ im Land vor – eine Kulturförderung, die weitgehend unabhängig von der aktuellen Kassenlage des Landes ist. Nicht jeder war von der Idee begeistert: Die SPD-Opposition im Landtag bezeichnete den Plan, „staatliche Aufgaben“ an eine private Stiftung zu übertragen, als „Ausverkauf und Bankrotterklärung“.

Gegründet wurde die Stiftung Niedersachsen trotzdem. 1985 nahm sie ihre Arbeit auf, zunächst als Verein, getragen vom Land und von engagierten Privatpersonen. Zum 1. Januar 1987 wurde die Stiftung dann Landesstiftung.

Und mit Heinrich dem Löwen bekam die Stiftung Niedersachsen natürlich auch bald zu tun. So förderte sie unter anderem die große Ausstellung „Heinrich der Löwe und seine Zeit“ 1995 in Braunschweig.