HANNOVER - Katerstimmung bei der SPD, nüchterne Freude bei der CDU und großer Jubel bei FDP und Grünen. Die Wahlergebnisse in Niedersachsen lagen im Bundestrend. Auch die Linken waren mit ihrem bescheidenen Abschneiden zufrieden.

„Ihr seid dabei, dass Projekt 18 zu verwirklichen“, frotzelte CDU-Landeschef David McAllister, als er SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner im Innenministerium begrüßte. McAllister spielte damit auf das ehemalige „Projekt 18“ der FDP, die sich der Marke von unten nähern wollte. Die SPD nähert sich ihr von oben, in Niedersachsen allerdings mit 27,2 Prozent nicht so extrem wie im Bund.

„Das ist ein sehr ordentliches Ergebnis“, kommentierte McAllister das Resultat der eigenen Partei. Die CDU sei stärkste politische Kraft, habe einen deutlichen Vorsprung vor der SPD und das bürgerliche Lager liege klar vor dem linken Lager. Der CDU-Chef sprach von einem „ermutigenden Signal“ für die Bundestagswahl.

Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sieht aber „keinen Grund zum Übermut.“ Die CDU erreichte 39,2 Prozent, rund sechs Punkte weniger als vor fünf Jahren. Die CDU-Landesliste zieht vermutlich bis Platz vier, so dass Hans-Gert Pöttering (Bad Iburg), Godelieve Quisthoudt, Hans-Peter Mayer (Vechta) und Burkhard Balz ins EU-Parlament kommen.

Bei der SPD kam dagegen keine Sektlaune auf. „Die Stimmung auf der SPD-Party ist den Hochrechnungen angemessen“, erklärte Jüttner trocken. „Das Ergebnis ist enttäuschend und weit unter dem, was wir erwartet haben.“ SPD-Landeschef Garrelt Duin (Hinte) sieht allerdings keinen Trend für den 27. September. „Es ist uns nicht gelungen, unsere Wähler an die Urnen zu bekommen.“ Die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl werde aber doppelt so hoch sein. Die SPD schickt Bernd Lange und Matthias Groote (Ostrhauderfehn) nach Brüssel, Erika Mann stand auf der Kippe.

Bei den Grünen werden mit Rebecca Harms und Jan-Philipp Albrecht vermutlich zwei Niedersachsen ins EU-Parlament einziehen. „Das Ergebnis freut mich sehr“, sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel über 12,5 Prozent. Seine Partei habe als einzige einen Wahlkampf mit Europathemen gemacht. „Die SPD ist deutlich unter den Erwartungen geblieben“, kritisierte Wenzel den möglichen Koalitionspartner. Ein „Superergebnis“, sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Thea Dückert (Oldenburg). Der konservative Block sei bedauerlicherweise gestärkt worden.

Bei der FDP-Party gab es Blumen für Spitzenkandidatin Gesine Meißner und Freibier. Die Liberalen konnten deutlich zulegen und sich mit 10,2 Prozent als Wahlsieger fühlen. „Ich freue mich, es ist eines unserer besten Ergebnisse“, erklärte FDP-Landeschef Philipp Rösler. Union und FDP seien mit Abstand die stärksten Parteien, sieht er einen Trend für die Bundestagswahl. „Die Leute halten die Europawahl für nicht so wichtig“, meinte Linken-Landeschef Dieter Dehm zum Ergebnis von vier Prozent. Für die Bundestagswahl heiße das nichts. Sabine Lösing vertritt die Partei in Europa.